Paraskavedekatriaphobie

Nicht sicher ist, wie viele Menschen an Paraskavedekatriaphobie leiden – der krankhaften Angst vor einem Freitag, dem Dreizehnten.

Sicher aber ist, dass 2012 kein gutes Jahr für sie ist: Gleich drei Mal ist ein 13. Tag im Monat ein Freitag.

Der Wochentag als Jesus’ Todestag und die 13 als Pechzahl haben ihre Wurzeln in christlicher Tradition. Die abergläubische Furcht vor diesem Datum kam dennoch erst im 20. Jahrhundert auf und wahrscheinlich aus den USA. Aber auch wenn der Börsenkrach 1929 als „Schwarzer Freitag“, der zudem ein 13. war, in die Geschichte einging, begann er schon am Donnerstag …

In Deutschland tauchte Freitag, der 13., zum ersten Mal 1957 in einer Glosse von Thilo Koch in der „Frankfurter „Allgemeinen Zeitung“ auf, in der er sich darüber lustig machte, dass der Stapellauf des Öltankers „Tina Onassis“ wegen des Unglücksdatums verschoben wurde.

Nicht überall auf der Welt ist Freitag, der 13., ein besonderes Datum. In Spanien und Lateinamerika gelten Dienstage, die auf den 13. eines Monats fallen (Martes 13) als Unglückstage. In Italien gilt Freitag, der 17., als Unglücksdatum.

Hoffnung für paraskavedekatriaphobische Patienten machen auch nicht Berechnungen der Mathematiker Prof. Dr. Heinrich Hemme und Jochen May aus dem Jahr 2011: Demnach sei Freitag der 13. wirklich mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Unglückstag als ein Donnerstag, der 13. Dies läge an Phänomen der Schaltjahre.

Ein Schaltjahr liegt vor, wenn sich die Jahreszahl durch 4, nicht aber durch 100 oder ohne Rest durch 400 teilen lässt. Deshalb umfasst der Schaltjahreszyklus 400 Jahre. Innerhalb dieser Periode nun fällt der 13. häufiger auf einen Freitag als auf einen anderen Wochentag.

Dazu kommt nun die Statistik: Angenommen, ein Unglück tritt an jedem Tag mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein. Dann erhöht sich aber die Pech-Quote für Freitage, den 13. wegen seiner durch Schaltjahre bedingten relativen Häufung.

Der gregorianische Kalender wiederholt sich wegen der Schaltjahrregel alle 400 Jahre, was genau 20.871 Wochen (146.097 Tagen) entspricht. Dabei fallen die meisten Dreizehnten (688) auf einen Freitag. Umgekehrt gilt auch, dass Freitage auf keinen anderen Monatstag häufiger fallen als auf einen 13. Am seltensten kommt Mittwoch, der 31. vor – nur 398 Mal in 400 Jahren.

Übrigens hat jedes Jahr mindestens einen, aber höchstens drei Freitage, die auf einen Dreizehnten fallen. Der kürzeste Abstand zwischen zwei solchen Dreizehner-Freitagen beträgt vier Wochen: Dann, wenn der 13. Februar ein Freitag ist und der Februar nur 28 Tage hat, ist auch der zweite März-Freitag ein 13. Zuletzt war dies 2009 der Fall, das nächste Mal wird es im Jahr 2015 sein.

Der längste Abstand zwischen zwei Dreizehner-Freitagen beträgt 14 Monate oder genau 61 Wochen. Dieser Fall tritt ein, wenn der 13. Juli ein Freitag ist und das folgende Jahr kein Schaltjahr ist. Dann fällt erst der 13. September des Folgejahres wieder auf einen Freitag. Letztmalig war dies im Juli 2001 und September 2002 der Fall. Es wiederholt sich in diesem Juli 2012 und dem September 2013.

Eine Pause von ebenfalls 14 Monaten (61 Wochen) zwischen zwei Freitagen den 13. erfolgt auch, wenn der 13. August ein Freitag und das folgende Jahr ein Schaltjahr ist. Dann kommt es erst wieder im Oktober des Folgejahres zum „schwarzen“ Freitag. Letztmalig war dies im August 1999 und im Oktober 2000 der Fall. Das nächste Mal passiert dies im August 2027 und Oktober 2028.

Übrigens: ICH leide weder unter Triskaideka- oder Paraskavedekatriaphobie – habe mich schließlich an einem Freitag, dem 13., getraut. Und meine Braut trug schwarz! :-P

Quellen: http://www.deutscher-weiterbildungspreis.de/presse.html, Wiki, eigene Erfahrungen :-)

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Gespachtelt, nicht gestrichen

Der Maler, Grafiker und Galerist Volker Grahn aus Tabarz (Landkreis Gotha), wurde am 8. Dezember 70 Jahre alt. Der Autodidakt, geboren in Wittenberge (Brandenburg), gehört zum Besonderen, das die Thüringer Kunstszene bietet. Ausdauernd, unbeirrbar, mit eigenem Kopf und Stil eroberte sich Grahn einen festen Platz. Eingeweihte und Kunstkenner schätzen zudem seine kleine Galerie am Fuße des Inselsbergs: Seit 15 Jahren ist sie Erfüllung eines Traumes und zugleich Platz fürs Andere, Nonkonforme, fernab des Zeitgeistes.

Der Wind zerrt an kahlen Zweigen. Verteilt gönnerhaft kalten Niesel über die menschenleere Straße. Weckt so den Wunsch nach Wärme, Sommer, blauem Himmel. Das alles – nur ein paar Schritte, wenig Stufen entfernt. Hinter einer Tür. Der zur „Galerie Grahn“ in Tabarz.

Was für ein Azur! Vom Bilderrahmen kaum zu bändigen, bläut es einem die Lust auf Meer ein. Auf Strand. Auf Arenshoop. Es ist so blau, dass man die Möwen schreien hört und das Rauschen der schwarzblauen Wellen. Es riecht nach Tang, und Fisch. Es ist das kreative Echo einer lang andauernden Liebe, einer Leidenschaft – der von Volker Grahn zu jenem Ort auf dem Darß, der ihm sein halbes Leben nun schon Muse ist.

 

(Repro: „Am Strand von Arenshoop/Darß“ – 2010, Öl, 75 cm x 75 cm)

Das besagte Bild entstand im Winter 2010/11. Damit es vollkommen austrocknet, ruhte es ein Jahr. Und wohl auch, damit Grahn es öffentlich zeigen kann. Er tut sich damit eher schwer: „Ich bin nicht sonderlich talentiert.“ Was bei anderen nach Koketterie klingt, ist Grahn pur: Zwei Seelen streiten permanent in ihm um die Vorherrschaft. Die des Künstlers UND die des Kaufmanns.

Der Kaufmann Grahn besitzt mehr Erfahrung. Jene aus 23 Jahren Gastronomie. 1985 hatte aber sein künstlerisches Alter ego das Gastgewerbe satt. „Es war Maldruck da“, erinnert sich Grahn. Der wird zunächst mit Schultempera auf Hartfaser abgearbeitet. Noch unbestimmt Technik und Handschrift. Dem Realisten, der er immer noch ist, war aber damals schon klar: „Wissend, das alles schon mal da war, geht man zunächst den Weg des geringsten Widerstandes …“ Grahn probiert sich aus. Doch eigenes künstlerisches Werk nährt den Mann nicht noch die Familie.

Aber er beherrscht ja die Kunst des Handelns! Deshalb versteht er sich dann auch aufs Handeln mit Kunst. Vor allem mit der anderer, Jener, die verfemt waren. Denen die offiziellen Galerien verwehrt blieben. „Dieses Milieu hat mich interessiert.“ Der Kunst(ver-)kaufmann Grahn ist damit erfolgreich. Auch geduldet, weil dem Staate über den grauen Markt so Dinge zukommen, die sich in Devisen ummünzen ließen.

Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit, womöglich auch Sturheit, erkämpft sich Grahn in den Jahren seinen unverwechselbaren Stil. Nie besucht er eine Kunstschule, keinem Malzirkel gehört er je an. Aber von Künstlern wie dem Friedrichrodaer Werner Schubert-Deister oder dem Weimarer Hans Winkler lässt er sich inspirieren. Ohne sich prägen zu lassen.

Unverkennbar „Grahn“ sind seine Ölbilder. Er malt sie nicht, er spachtelt. Das macht diese Seh-Landschaften erhaben, verleiht ihnen eine weitere Dimension. Schicht auf Schicht wachsen die Bilder dem Betrachter entgegen, aus den schlichten Holzrahmen hinaus.

Grahns Collagen tun das sowieso. Er liebt sie geradezu. Auch dafür, dass sie schnell zu vollenden sind, „ist das Material gut, was man hat“. Wie etwa Müll vom Strand der Kanaren, zum Entsetzen seiner Frau Rena mitgenommen. Oder Reste von Sauerkrautplatten und seines DDR-Fernsehers, die er 1993 zu einem Triptychon komponiert. Das zeigt Grahn erstmals in seiner Geburtstags-Werkschau.

Der Tabarzer malt übrigens auf Fahnenstoff; gekauft im vorigen Jahrtausend. Für 25 Mark der DDR den Ballen. Davon hat er immer noch etliche liegen. Ausreichend „für den Rest des Lebens“. Es amüsiert ihn selbst, wie er das sagt. „Der Rest des Lebens …“ Der ist sicher rastlos wie bisher. Grahn wird sommers auf dem Darß sein und winters wüten. Mit Öl auf dem Stoff aus dem vorherigen Leben. Sich seine azurblauen Fantasien aus dem Leib spachteln. Schmetternde Farbfanfaren anstimmen. Immer und immer wieder.

Grahn ist technisch entschleunigt: Auf der alten „Olympia“ schreibt er immer noch die Infos zu den ausgestellten Bildern.

 

 

 

Die Ausstellung „Arenshooper Impressionen – Ölbilder, Arbeiten auf Papier, Collagen“ ist vom 20. Dezember 2011 bis 28. Februar 2012 in der „Galerie Grahn“ in Tabarz, Heinrich-Hoffmann-Straße 6a, zu sehen.

(Beitrag, für die OTZ geschrieben, dort am 12. Dezember erschienen)

11212 OTZ Grahn

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Oscar-Kolumne: Schlussstrich

Super, Mario! Endlich einer, der sein Wort hält! Es war nicht die erste Botschaft, die Meister Schiefelbein als neuer oberster Residenzstadt-Vermarkter verkündete. Aber sie kam bald und bestimmt: Er sei gekommen, um nicht zu bleiben. Drei Jahre gab er sich und der Stadt. Kein schlechter Plan für einen Kreativen. Mindert die Gefahr, sich zu guttenbergen.

Der Mann hat was bewegt. Und geht, da sein Stern hell strahlt. Heller allemal als die illuminierenden weihnachtlichen Farb-Misteln. Anno 2011 kann man den Eindruck gewinnen, sie wären recht lust- und planlos in die kahlen Bäumen gepfercht.

Loszulassen ist eine Kunst, die nur wenige können. Schiefelbein erfindet sich zudem regelmäßig neu. Ab Frühjahr darf er sich daher „tieeeef im Wehesten“ Grönemeyers „Boooochum“ annehmen. Ich wünsch’ ihm dabei allen Erfolg dieser Welt! Weiterlesen

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„Gotha adelt!“ Europas Hotellerie

GOTHA. Es gibt Auszeichnungen, die kann man sich sonst wohin stecken: Etwa ein Foto vor der Truppenfahne. Anders ist es, wird man „Hotel des Jahres“.

Diese Ehre widerfuhr erstmals dem Team des Quality Hotel „Am Tierpark“. Ausgezeichnet wurden zudem das Quality Hotel München Messe und das Quality Hotel Varese (Italien).

Die Fachpresse berichtete. In Deutschland, der Schweiz und Österreich bekamen über 18.000 Geschäftskunden der Kette, zu der das Hotel gehört, diese 1-A-Empfehlung frei Haus per Newsletter. „Bei Sauberkeit und Sicherheit setzten die Gothaer Maßstäbe, die wir jetzt europaweit für all unsere Partner nutzen können“, kündigte Margit Hug, Geschäftsführerin der Choice Hotels Franchise GmbH München, bei der Übergabe des Preises an. „Gotha adelt“ – nun also auch europaweit die Hotellerie.

Ganz anders der Blick von Quality-Empfangschefin Ramona Geestmann: Philosophie des Hauses sei stets, höchste Qualität zu bieten. Treibend dafür war und ist Hotelinhaberin Hannelore Neher. Dafür gab es schon 2000 den Preis als „Managerin des Jahres“. Jetzt folgt nun „eine Würdigung der Anstrengung aller“, freut sich die Managerin.

Qualität biete man zuallererst natürlich im Interesse der Gäste. Darum jeden Tag zu ringen, wäre aber ebenso unverzichtbar fürs Funktionieren des Teams. Dafür sei der Blick von außen wichtig, der Draufblick, den die jährlichen „Quality-Checks“ bringen.

Wobei Draufsicht sogar wörtlich zu nehmen ist: Ulrike Settele, studierte Tourismusbetriebswirtin und seit vier Jahren bei Choice Hotels für die Franchise-Partner zuständig, ist die unbestechliche Kontrolleurin. Ihre 1,85 m Körpergröße kommen zupass. Wo andere mühsam die Leiter der Erkenntnis erklimmen müssen, hat sie längst schon das Maß der Dinge ergründet.

Die Kontrollen der betroffenen 78 Hotels in Deutschland, Italien, Tschechien, Polen und der Schweiz nehmen sie drei Monate in Beschlag. Und obwohl sie sich ankündigt, fördert sie immer wieder Überraschendes zu Tage. „Dinge, die im Alltagsgetriebe untergehen wie ein fehlender Kugelschreiber in der Begrüßungsmappe oder ein veralteter Hotelkatalog der Gruppe“, erinnert sich Ramona Geestmann an die jüngsten Schrecksekunden.

Geprüft wird nach Erfahrungen aus rund 6.000 Hotels der Choice-Kette weltweit. Die Standards sind aber den Bedürfnissen in den Regionen angepasst: „Europäische Gäste werten die Sauberkeit im Bad höher als die Tatsache, dass es eine Tagesdecke gibt oder eine bestimmte Anzahl von Kopfkissen.“

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Thüringen Philharmonie Gotha: Klar Schiff im Kulturhaus

GOTHA. „Das war cool.“ Jannik ist noch ganz aufgedreht, als er an der Hand seines Großvaters Ronald aus dem Gothaer Kulturhaus kommt. Opa und Enkel hatten beim „Fliegenden Holländer“ angeheuert. Erfuhren deshalb auch, was es mit dem „Fluch der Karibik“ auf sich hat. Und mit „Peer Gynt“ machten sie sich dann nach etwas mehr als einer Stunde auf die „Heimkehr“. Zurück nach Gotha.

Die Thüringen-Philharmonie hatten Opa, Enkel und noch weitere Hundertschaften Wasserratten zur musikalischen Seefahrt eingeladen. Es war das erste von vier Kinder- und Jugendkonzerten dieser Spielzeit. Vollbesetzte Reihen im Kulturhaus zeigten, welch Anziehungskraft dieses Angebot hat – dem Vernehmen und manchem Autokennzeichen nach sogar über die Kreisgrenzen hinaus.

Wer sich mit Wagner an den Nachwuchs wagt, sollte auch den rechten Weg-Weiser haben: Diese Rolle war Käpt’n Stefanos Tsialis geradezu auf den Leib geschrieben. Nachdem er klar Schiff gemacht hatte, nahmen seine musikalischen Piraten kein Notenblatt mehr vorm Mund. Tsialis versicherte sich zudem der Komplizenschaft des Jungvolkes vorm Bug und ab ging die Reise! Immer ein Handbreit Rhythmus unterm Kiel und eine steife Klang-Brise in den Rahen durchquerte man das Notenmeer. Tsialis ließ dabei die Geister heulen und den Sturm. Seine feingeistigen Musiküsse gaben genauso perfekt den ruppigen Holländer, wie sie die Gefühle des jungen Mädchens Senta darstellen konnten. Hellauf begeistert waren die Leichtmatrosen in den Reihen, wenn Käpt’n Tsialis ihnen kurzzeitig das Kommando überließ.

Keine Atempause; Musik wird gemacht! Als der Holländer genug geflogen war, machten sich die Sound-Piraten über „Peer Gynts Heimkehr“ her. So gar nicht nordisch unterkühlt kam der Satz aus der „Peer Gynt-Suite“ Nr. 2 von Edvard Grieg über die Bordwand des Philhamonie-Flaggschiffs. Auch hier scheuchte Tsialis die Schüler in die Wanten, ließ sie hautnah die abenteuerlichen Seereisen von Peer Gynt erleben.

Dass die abschließende Suite aus dem Hollywood-Blockbuster „Fluch der Karibik“ den höchsten Wiedererkennungseffekt hatte, machte das Orchester wie den Mann am Pult nicht mutlos. Im Gegenteil: Mit Mann und Maus, allem Tuch, was die musikalische Takelage hergab, zog man eine schäumende Spur der Begeisterung durchs Kulturhaus.

Die Kinder- und Jugendkonzerte der Thüringen-Philharmonie sind immer ein Erlebnis. Und sie stehen allen offen, auch wenn sich natürlich zunächst das Orchester an Kindergärten und Schulen wendet. Die Konzerte firmieren in der neuen Spielzeit unter dem Motto „Ton an!“. Ein cleveres Wortspiel mit dem Namen des knuddeligen Maskottchens Anton.

Nach der Meeresfahrt lädt am 30. November Peter Iljitsch Tschaikowski zur „Nussknacker“-Suite. Zum dritten Konzert am 26. Januar sollen Brahms’ Variationen über ein Thema von Joseph Haydn aufgeführt werden und das abschließende, vierte Konzert bietet die musikalische Geschichte von Max und Moritz nach einer Komposition von Gisbert Näther.

Das Gothaer Orchester engagiert sich seit Jahr und Tag musikpädagogisch. Das ist nicht selbstverständlich in Thüringen, wie Daniela Weyh, die in der Thüringen-Philharmonie die Öffentlichkeitsarbeit managt, erst kürzlich auf einer Tagung des Landesmusikrates Thüringen feststellen musste. Neben den vier Konzerten im Jahr – 2009 kamen dazu immerhin 3.000 Besucher! – sind die Orchestermusiker auch in Schulen und Kindergärten unterwegs und bieten frühmusikalische Erziehung. Drei Ensemble haben sich derweil dafür gefunden. Trotzdem gibt es eine Warteliste. Allemal ein Zeichen, wie begehrt diese Angebote sind!

Genau dieses Engagement war es auch, was die Raiffeisenbank Gotha honorieren wollte. Vorstand Heiko Wasserthal hatte bereits 2007 eine Initiative zur Unterstützung des Klangkörpers gestartet, als der damalige CDU-Kultusminister Jens Goebel plante, die Orchesterlandschaft Thüringens restlos zu roden. Daraus wuchs ein enger Kontakt zu den Philharmonikern, der 2008 in ein Sponsoring mündete: Mit 20.000 Euro, verteilt auf vier Spielzeiten, unterstützt die RaiBa seither die Kinder- und Jugendkonzerte. „Wir waren immer eine regionale Bank und werden es auch bleiben. Unser Engagement gilt der Region. Und unverzichtbar gehört dazu in Gotha eben auch das Orchester“, versicherte auf der Pressekonferenz zum Start der neuen Kinder- und Jugendkonzerte RaiBa-Vorstand Jürgen Hackethal auch weiterhin das Wohlwollen und die finanzielle Assistenz seines Hauses. „Aller guten Dinge sind drei …“, gab er deshalb den Musikern für die 2010er Saison mit auf den Weg und: „Toi, toi, toi!“

(geschrieben im September 2010, im Auftrag der Raiffeisenbank Gotha)

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Oscar-Kolumne: Essen – der Sex des Alters

Essen ist der Sex des Alters. Selten ist Volkes Weisheit so beschönigend wie ernüchternd. Dass das hier steht, sollte aber niemanden zu falschen Rückschlüssen animieren: Ich esse schon immer gern. Wie man mir ansieht …

Und tatsächlich scheint eher in deutschen Küchen als in hiesigen Betten die Post abzugehen. Macht wenigstens die Koch-Show-Schwemme im Fernsehen glauben.

Unfassbar: Keine zwei Jahrzehnte ist’s her, da diese Nation mit großer Lust lahmende Lenden wieder zum Leben erwecken wollte!? Pionierarbeit leistete zunächst Hugo Egon Balder auf RTL, der heiße Früchtchen bei „Tutti Frutti“ (* 21. 01. 1990 – † 21. 02. 1993) präsentierte. Später durfte „Liebe Sünde“ sein und erfuhren wir, was „Wa(h)re Liebe“ ist.

Doch die öffentliche Lust an der Lust endete abrupt um die Jahrtausendwende. Ursache? Ergründete noch keiner. Aber der MDR und seine Schunkel-Zombies tragen wohl keine Schuld. Schließlich funkt der Dreiländer-Sender schon seit 1. Januar 1991. Weiterlesen

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Spuren einer „Brandstiftung“

Ganz neu die Welt entdeckt. Das haben Schülerinnen und Schüler der Gothaer „Conrad Ekhof“-Schule. Was ihrer Fantasie entsprang und wie sie es kreativ umsetzten, lässt sich – zu Teilen – seit Donnerstag in der Raiffeisenbank Gotha bewundern. Die Collagen, Grafiken, Bilder, Drucke und Skulpturen sind bis Ende Oktober zu sehen.

Astrid Marold ist eine Brandstifterin. Eine, von der es nicht genug geben kann. Sie befeuert die Fantasie ihrer Schüler. Bläst so lange in die Glut, bis die Flammen der Kreativität züngeln. Schon zwanzig Jahre tut sie das. Und wirkt so gar nicht ausgebrannt. Das ist ihr Geheimnis, ihre Gabe. So inspiriert die Kunsterzieherin zu künstlerischen Höhenflügen: Schüler der 5. Klasse schufen bei ihrer „Entdeckungsreise in die Steinzeit“ erstaunliche Tonarbeiten. Neuntklässler wie Celine Geißler, Sarah Göring und Luisa Hunger erleben „Verwandlungen“, wenn sie von ihren Gesichtern Gipsmasken abnehmen und sie dann bemalen. Einen Tribut, eine eigene Sicht auf die Moderne ist zu sehen. Hundertwasser darf natürlich auch nicht fehlen.

Kurz; Marolds Inspirationskraft  erstaunt. Und ist genre-übergreifend. Denn die neue Ausstellung in der RaiBa „Junge Künstler entdecken die Welt“ begann nicht einfach: Sie wurde in Szene gesetzt. Zunächst okkupierten dafür Linde und Laura Joost sowie Phillip Parche kurzerhand die Lobby für ihren getanzten Traum zur „Nacht“. Der gehört zu den „Vier Tageszeiten“; einem Stück, einstudiert in ihrem Schulfach „Darstellen und Gestalten“.

Ohne sich vom geschäftigem Treiben beeindrucken zu lassen, entführten sie in eine Fantasiewelt. Das war surreal! Während manch Bankkunde stoisch dem Schalter zusteuerte, wichen andere irritiert aus. Einige aber schauten zu; erstaunt, begeistert. Ein junger Mann bannte die kurze Szene aufs Handy, bedankte sich gar beim Gehen …

Man spürt, Astrid Marold nimmt sich Zeit. Bei ihren Schülern. Auch beim Erstkontakt in der Bank. Da sprach sie nicht nur das Wie und Wann ab. Sie erkundete auch ausgiebig jenen Ort, an dem die Werke ihrer Eleven zu sehen sein sollten. Dessen Dimensionen, das Spiel von Licht und Schatten – all das ergründete sie. Mit überwältigendem Ergebnis: Denn es ist keine simple Ausstellung. Es ist eine Installation. Selten fügten sich die Bilder, die Arbeiten in den Vitrinen, die gerahmten und ungerahmten Schau-Stücke so harmonisch ins Ganze. Selten stachen sie so ins Auge. waren so präsent.

Das begeistert: Die RaiBa-Belegschaft, die schnell mit den jungen Künstlern ins Gespräch kam. Auch Ursula Kleemann. Nicht zufällig war die Referentin für Regelschulen im Schulamt da. Manuela Heimlich sowieso, weil die stellvertretende Schulleiterin sichtlich weiß, welche pädagogische Perle sie mit Astrid Marold im Kollegium hat. Sie schätzt auch die guten Bande, die Schulförderverein und  Genossenschaftsbank knüpften. Letztere gewährt manch finanzielle Unterstützung, bringt Praxis in den Unterricht. Dafür revanchierte man sich jetzt kreativ: „Genau das macht Kooperation aus, dass man gibt – und dafür dann auch bekommt“, beschrieb Manuela Heimlich das verbindende Moment, das echte Partnerschaft ausmacht.

Dafür scheint dann auch kein Aufwand zu groß; selbst wenn wegen der Aktion in der Raiba fast alle Werke neu gerahmt werden mussten. Und fürs letzte Quäntchen Perfektion schlug auch Linda Staffel ihrer Höhenangst ein Schnippchen. Eben erst das Studium in Erfurt beendet, wagte sich Marolds junge Kollegin in luftige Höhen. Richtete beim Aufbau das Seilsystem, mit dem die Bilder und Grafiken auf Augen-Kontakt gebracht werden.

Mehr Bilder hier: http://url9.de/fzK

(Beitrag, geschrieben für die Raiffeisenbank Gotha eG)

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Schräge Schrägen und Muskel-Männer

Karsten Langguth ist cool. Der stemmt sogar Geldautomaten! Zugegeben: Schiebung war im Spiel, als er die fast eine Tonne schwere Kiste über die Kinderwagen-Rampe ins Kundencenter der Raiffeisenbank in Gotha wuchte. Doch während andere gestandene Mannsbilder sich sichtlich nach Leibeskräften mühten, geriet „Zugpferd“ Langguth nicht einmal ins Schwitzen.

Das Muskelpaket kam zum Einsatz, weil die Bank in Gotha ihren Service erweitert. Die neue Maschine füllt nämlich Portemonnaies – und kann sie erleichtern: Das Ding zahlt aus und nimmt Geld entgegen. Deshalb verlieren die freundlichen Frauen am Schalter aber nicht ihren Job. Es ist eher eine Entlastung für sie. Sie haben mehr Zeit für individuelle Beratung. Und schon deshalb lohnt die Investition von rund 50.000 Euro.

Eigentlich ist alles auch ganz einfach: Alten Geldautomat ausbauen, neuen einbauen, anschließen. Fertig. Der Zeitplan dafür passt auf ein kariertes DIN A4-Blatt. Und trotzdem hatte Dominic Scheel Lampenfieber. Schließlich ist er gerade einen Monat bei der RaiBa. Weil aber Thomas Peruth, der Chefdompteur der Bank-EDV, eine Auszeit nimmt, hatte der Neuling gleich diese durchaus heikle Mission an der Backe. Weiterlesen

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MDR-Intendantenwahl: Auch einem Ende kann ein Zauber innewohnen …

Diesen 26. September vergisst Bernd Hilder nie: Der 52-jährige macht sich auf zur alten Leipziger Fleischhandelsbörse. Dort tagen 41 der 43 mdr-Rundfunkräte. Der Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“ erwartet, dass sie ihn zum neuen Intendanten küren. Doch der einzige Kandidat für die Nachfolge von Udo Reiter findet bloß zwölf Befürworter – bei 29 Gegenstimmen. Hilder endet „wie auf einer Schlachtbank“, steht tags darauf in der „Sächsischen Zeitung“:

Rückblende: Am Abend des 26. Mai lässt mdr-Intendant Udo Reiter mitteilen, er werde zurücktreten. Das überrascht, hat der 67-jährige doch einen Vertrag bis 2015.

Der damalige BR-Hörfunkdirektor Reiter kommt 1991 aus München nach Leipzig, wird erster Intendant des „Mitteldeutschen Rundfunks“. Die Drei-Länder-Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen geht ab 1. Januar 1992 auf Sendung. 1996, 2002 sowie 2008 wird Reiter im Amt bestätigt. Im aktuellen Vertrag fixiert er eine jederzeit anwendbare Ausstiegsklausel. Von der macht der damals dienstälteste Intendant einer ARD-Anstalt im Mai 2011 Gebrauch: Weil er seit 45 Jahren im Rollstuhl sitze, was „gesundheitliche Spuren“ hinterlassen habe. Und weil 20 Jahre „genug“ wären, es an der Zeit sei, „den Staffelstab an die nächste Generation weiterzugeben“. Das lässt Reiter per Pressemitteilung kundtun. Bittet Verwaltungsratsvorsitzenden Gerd Schuchardt um Aufhebung seines Dienstvertrages im Laufe des Jahres. Man einigt sich schnell – und auf den 31. Oktober.

„Keine besonderen Anforderungen“

Bis dahin ist die Nachfolge zu regeln. Ein straffer Zeitplan wird aufgestellt: Im Spätsommer sollen die sieben Verwaltungsräte Kandidaten küren, anschließend die 43 Rundfunkräte ihre Wahl treffen.

Manch Beobachter verblüfft das Tempo. Schließlich gilt es, die Stelle des einflussreichsten Medien-Managers Mitteldeutschlands zu besetzen: Der MDR hat laut seinem „Geschäftsbericht 2010“ Einnahmen 728,2 Mio. Euro. Der Anteil aus Gebühren beträgt nach dem „GEZ-Geschäftsbericht 2010“ 575,5 Mio. Euro. Ihm zu Diensten sind rund 2.000 feste und 4.000 freie Mitarbeiter. Weiterlesen

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Oscar-Kolumne: Lacht mal wieder!

„Das ist Thüringen!“ Schon gesehen, die neue Image-Kampagne für den Freistaat? Bestimmt! Läuft ja schließlich kurz vor der 20-Uhr-„Tagesschau“.

Und da schon zu Zeiten Ernst I. die hiesigen Bauern schlauer waren als anderenorts die Edelleut’, unterstelle ich, dass die gothsche Gemeinde für gewöhnlich und zu dieser Zeit geschlossen vorm Flachmann kutzt, andächtig dem öffentlich-rechtlichen Nachrichten-Flaggschiff zuschaut.

Übrigens ein Grund, warum selbst verlängerte Ladenöffnungszeiten in der Residenzstadt niemanden von der Glotze weglocken …

Dass „Das ist Thüringen!“ (Screenshot von youtube) dabei aber ganz ohne die „Perle am Thüringer Wald“ auskommt, dürfte kaum Emotionen hervorrufen: Warum auch sollte es echte Gothsche stören, dass sich ein Hamburger Werbe-Sauhaufen nicht um sie schert!?

Machen ja nicht einmal die Thüringer! Auch nicht Henryk Balkow und der „Junge Medien Thüringen e. V.“ Aber was diese Truppe alternativ zum Clip drehte, mit dem Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig Millionen versenkt, ist echt Klasse: Gut, man könnte vielleicht noch wegen des Titels mäkeln. Doch „Come closer“ ist ein echter Hingucker.  Und nicht nur wegen der Hauptdarstellerin Eva-Maria Körner (siehe Screenshot)! Mit Mini-Budget, aber Maxi-Engagement produziert. Die charmante Liebeserklärung an den Freistaat von Balkow & Co. ist sehens- und aller Ehren wert! Zeigt Land & Leute von der besten, der menschlichen Seite.

Als assimilierter Beute-Thüringer möchte ich dies ausdrücklich hervorheben, denn auch die meisten Gäste unserer genussvoll-gemütlichen Gegend rühmen vor allem die Freundlichkeit der Eingeborenen. Und das erfährt, wer auf Tourismus-Messen fährt.

Ich wünschte mir übrigens, dass dort dann das Video der Erfurter Jung-Filmer flimmert. Falls darauf bisher noch keiner der professionellen Gäste-Verführer von Stadt, Kreis und Land gekommen ist, ist das kein Bein-Bruch: Die Idee lasse ich mir gern klauen und Nachfragen kostet ja nix!

Damit können wir übrigens viel überzeugender die Schmach tilgen, die uns der „Glücksatlas 2011“ zufügte. Schlägt man den auf, findet sich die bedrückende Botschaft, wonach in Thüringen die unglücklichsten Deutschen leben würden. Diese Landmarke der Lustlosigkeit versetzten uns mit wissenschaftlicher Akribie, statistischer Finesse und dem Geld der Deutschen Post Prof. Bernd Raffelhüschen, der Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, und das Institut für Demoskopie Allensbach. Gemeinsam ergründeten sie der Deutschen Seelenlage generell, die so gut wie seit zehn Jahren nicht sein soll.

Aha.

Alles angesichts aktueller Aktien-Kurse, ernüchternder Euro-Expertisen und dazu präsentierter peinlicher Politprominenz-Possen!? Erinnert mich an die Kapelle auf der „Titanic“. Würde auch Verschwörungs-Theorien beflügeln, dass sinistre Strippenzieher bewusst diese „Deutsche Post“-Karte gespielt haben.

Man könnte geradezu Decimus Iunius Iuvenalis – auch „Juvenal“ geheißen – bemühen: Der römische Satirendichter des 1. Jahrhunderts hatte gegen die Herrschenden geätzt, weil sie mit „Panem et circensis“, Brot und Spielen, das Volk bei Laune hielten.

Aber als hemmungsloser Optimist sehe ich das anders: Auf solch clevere Idee kämen die Berliner Tigerenten-Koalitionäre gar nicht!

Zurück zum Lehrstück übers deutsche Glück: Demnach hat Hamburg eine geradezu von Glückshormonen geschwängerte Luft. Dort leben die zufriedensten Menschen, haarscharf verfolgt von freudetrunkenen Niedersachsen – und wen wundert’s? – den Bayern.

Auch nicht überraschend: Zwischen 20. und 30. Lebensjahr sind Weib- wie Männlein am glücklichsten, während das Mittelalter eher unzufrieden aus der Wäsche guckt. Da muss man dann übrigens einfach durch: Ab 65 erreichen wir angeblich wieder das Niveau von 30-Jährigen.

Glücks-Ritter Raffelhüschen und seine Freuden-Spender entdeckten uns aber nicht die Ursachen dieser Dreiteilung. Ich schlichtes Gemüt vermute aber mal – Amore, Arbeit, Alzheimer.

Warum allerdings ausgerechnet die Deutsche Post die Studie beauftragte, erschloss sich mir nicht.

Aber der Hinweis aufs maulig-mosernde Mittelalter machte mich nachdenklich: Kann man schließlich wirklich beobachten, nicht nur bei pampigen Parkplatz-Proleten in der Tiefgarage des „Kauflands“ …

25 (Gesichts-)Muskeln, so erkundete ich, braucht es, damit unsereins lachen kann. Auch das belegt am Ende nur: Glücklich zu werden, bedeutet eben wirklich harte Arbeit.

(modifizierte Kolumne, erschienen im „Oscar am Freitag“, Ausgabe Gotha, vom 30. September)

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