Viele Wege führen nach Rom

Seit Sommer 2011 gibt es jene, die Bundesfreiwilligendienst leisten. 67 sind es derzeit im Landkreis Gotha. Einer von ihnen ist der 24-jährige Marcus* aus Tabarz.

Marcus macht fast alles mit links, tatsächlich. Wie rund 10 % aller Menschen ist er Linkshänder. Denen sagt man nach, besonders kreativ zu sein. Kreative tun sich allerdings manchmal schwer mit Alltagsdingen. So auch Marcus.

Denn er brauchte eine Weile, bis er sich sortiert hatte. Genau genommen, dauert es eigentlich noch an. Nach dem Abitur 2006 am Körnberg-Gymnasium studierte er Architektur. Um nach fünf Jahren abzubrechen: „Es passte nicht.“ Geahnt hatte es der „Frischluft-Fan“ schon eher. Ihm widerstrebte der Büroalltag, der befürchtete. Schwer tat er sich, das eine zu lassen. Umso schneller – für seine Verhältnisse! – wäre ihm jedoch klar geworden, was folgen sollte. Während seines Intermezzos in der Gastronomie fiel sein Entschluss: „Ich will Erzieher werden!“  Früh schon hätten andere seine Talente im Umgang mit Kindern gerühmt. Erste Erfahrungen sammelte er als Ältester unter drei Geschwistern. Vor allem seiner heute 13-jährigen Schwester schenkte er in deren ersten Lebensjahren viel Zuwendung – wegen der berufliche Auslastung der Eltern.

Erzieher will er also werden. Klare Sache! Pech nur, dass dieser Entschluss erst während seiner Kellnerei im Friedrichrodaer „Berghotel“ reift. Als Quereinsteiger braucht er einen Abschluss, z. B. als Sozialassistent. Doch Marcus’ finale Zielvorgabe in Sachen beruflichen Werdegangs kam ein klein wenig zu spät, um voriges Jahr nahtlos anzusetzen.

„Mir war aber klar, dass ich in der Zwischenzeit etwas in dieser Richtung machen wollte.“ Für den Einstieg in ein freiwilliges soziales Jahr war die Zeit ebenfalls abgelaufen. Fast ohne Alternative gab es also nur noch den neuen Bundesfreiwilligendienst. „Auf der Internetseite habe ich nach Angeboten in der Region gesucht und wurde bei der ,Klinik am Rennsteig’ fündig.“ Der Bewerbung folgte bald die Einladung zum Vorstellungsgespräch. Schnell sei man sich handelseinig geworden. „Auch, weil wir zuvor sechs Zivis hatten, die einfach unverzichtbar waren“, erinnert sich Janet Wetzstein, die stellvertretende kaufmännische Direktorin der Klinik: „Dazu kam, dass wir bei Marcus ein gutes Gefühl hatten.“

Das trog offensichtlich nicht. Seit 1. Dezember gehört Marcus dazu, unterstützt in der Pflege. Zu seinen Aufgaben gehört u. a. als freundliches „Navigationssystem“ neue Patienten zu empfangen, sie auf den ersten Wegen zu begleiten und später zu ihren Anwendungen. Ein bisschen Büroarbeit gibt es auch: Akten sind zu sortieren, zuzustellen. Es überwiegt aber der direkte Kontakt mit Menschen, was Marcus enorm wichtig ist.

Als BFDler arbeitet er 40 Stunden die Woche, bekommt für den sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Job 330 Euro. Das ist weniger, als hätte er weiter auf 400-Euro-Basis gekellnert – v. a. wegen des Trinkgeldes. Ihm sei aber wichtiger gewesen, feste Arbeitszeiten zu haben, „auch, um mich daran auszuprobieren.“

Viele Wege führen eben nach Rom. Manchmal auch zum Traumberuf.

Homepage: http://www.bundesfreiwilligendienst.de/

* – Marcus bat aus persönlichen Gründen darum, seinen Familiennamen nicht zu veröffentlichen (R. A.).

Oscar-Kolumne: Eine Frage des Respekts

Respekt für David Ortmann und Michael Brychcy. Im Dezember verkündeten sie, dass SPD und CDU in Sachen Waltershäuser Bürgermeisterei an einem Strang ziehen. Heißt: Die SPD unterstützt den Amtsinhaber, der am 22. April zum fünften Mal (!) antritt.

Diese mutige, kluge Entscheidung sorgte für Aufsehen weit über den Landkreis. Die beiden sind verschieden und trotzdem eint sie eines: Ihnen ist der Verstand näher als das Parteibuch. Deshalb bekamen sie aber nicht nur Beifall.

Ortmann, 29, Sozialdemokrat, Ortsvereins- und Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, jüngst noch Chef-„Oscar“, jetzt Pressemensch der SPD-Landtagsfraktion. Brychcy, 51, ist Bürgermeister seit 9. November 1989, vom „Runden Tisch“ dazu gemacht. Am Tag, als (Ost-)Berlins SED-Bezirkschef und ZK-Sekretär Günter Schabowski seine eigene Klaue nicht lesen konnte und so versehentlich das Ende der Mauer verkündete…

Ihren „Waltershäuser Weg“ sollten beide beim Patentamt als Wort-Bild-Marke und Geschmacksmuster schützen lassen! Noch ist’s nicht zu spät – auch wenn ihre Idee schon geguttenbergt wurde: Im Weimarer Land (dem Wahlkreis der Ministerpräsidentin – ein Schelm, der Hinterfotziges denkt!) einigten sich ebenfalls im Januar SPD und CDU. Hans-Helmut Münchberg soll Landrat bleiben, wie er es seit 6. Mai 1990 ist.

Aber die Wahlen in Gotha sind auch über den Geniestreich der Puppenstadt-Politiker hinaus historisch, weil die ersten echten „Wahlen 2.0“: Neben den bekannten, meist gut gemeinten, aber selten so gemachten Internet-Seiten von Kandidaten werden die sozialen Netzwerke Wahlkampf-Arenen. Geentert nicht nur von den „Piraten“, die es auch im Landkreis gibt.

Vor allem auf Facebook tut sich was. Hier tummeln sich mehr als 22 Millionen Mitbürger. Machen das „Gesichtsbuch“ so zum bevölkerungsreichsten Bundesland – wenn auch virtuell. Demnach ist jeder vierte Bewohner des Landkreises dabei. Abgesehen vom „Oscar“ kann man über kaum ein anderes Medium so viele Menschen erreichen.

Und es sind nicht nur „digital natives“ – die selbsternannten „Ureinwohner des Internets“, die ohne iPhone, iPad & sonstige Smartphones und Tablet PC wohl blind, taub und stumm wären.

Vielmehr schätzen auch späte Mädchen und Männer mit weniger Haaren, dafür aber mehr Bauch die neuen Segnungen: Via Facebook finden sich alte Schul- und Studienfreunde, Jugendlieben. Es gibt auch Banales bis Behämmertes. Doch schließlich kann man sich aussuchen, wer einem den Bildschirm „vollmüllt“.

Volkes Weisheit kommentiert dies wie gewohnt rustikal: „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu …“ Demnach brauchen wir Älteren Facebook nicht den Jungspunden überlassen.

Für gute Sitten – gerade in Zeiten des Wahlkampfes – wird zudem gesorgt: Uwe Walther, der im Frühjahr 2011 seinen Hut in den Ring warf, um Konrad Gießmann als Landrat zu beerben, gründete die Gruppe „Wahlkampf.Fair“. Weil zuvor eine Debatte aus dem Ruder lief. Walthers Initiative, der sich auch die CDU anschloss, zeigt: Es liegt an uns, wie wir miteinander umgehen.

Eben mit Respekt. Respekt auch vor der Meinung anderer, die konträr der eigenen sein kann. Das kann, das MUSS man aushalten. Als Übung in Demokratie.

Auch der Blick in Gruppen wie „Residenzstadt Gotha“,  „99867 Gotha“, „22.04.2012: Oberbürgermeister- und Landratswahlen in GOTHA“ – selbst auf „Gotha tadelt“, einer ironischen Antwort aufs erfolgreiche Marketing der Residenzstadt – offenbart eine erfrischende Vielfalt von Ansichten.

Größter Vorteil: Politik ist transparent, öffentlich. Wird nicht mehr in Hinterzimmern abgestimmt, unterliegt nicht Fraktions- oder Koalitionszwang.

So werden Wahlen allgemein, unmittelbar, frei und gleich – wie es das Grundgesetz zusichert.

(Kolumne, erschienen im „Oscar am Freitag“, Ausgabe Gotha, vom 27. Januar 2012)

Paraskavedekatriaphobie

Nicht sicher ist, wie viele Menschen an Paraskavedekatriaphobie leiden – der krankhaften Angst vor einem Freitag, dem Dreizehnten.

Sicher aber ist, dass 2012 kein gutes Jahr für sie ist: Gleich drei Mal ist ein 13. Tag im Monat ein Freitag.

Der Wochentag als Jesus’ Todestag und die 13 als Pechzahl haben ihre Wurzeln in christlicher Tradition. Die abergläubische Furcht vor diesem Datum kam dennoch erst im 20. Jahrhundert auf und wahrscheinlich aus den USA. Aber auch wenn der Börsenkrach 1929 als „Schwarzer Freitag“, der zudem ein 13. war, in die Geschichte einging, begann er schon am Donnerstag …

In Deutschland tauchte Freitag, der 13., zum ersten Mal 1957 in einer Glosse von Thilo Koch in der “Frankfurter “Allgemeinen Zeitung” auf, in der er sich darüber lustig machte, dass der Stapellauf des Öltankers “Tina Onassis” wegen des Unglücksdatums verschoben wurde.

Nicht überall auf der Welt ist Freitag, der 13., ein besonderes Datum. In Spanien und Lateinamerika gelten Dienstage, die auf den 13. eines Monats fallen (Martes 13) als Unglückstage. In Italien gilt Freitag, der 17., als Unglücksdatum.

Hoffnung für paraskavedekatriaphobische Patienten machen auch nicht Berechnungen der Mathematiker Prof. Dr. Heinrich Hemme und Jochen May aus dem Jahr 2011: Demnach sei Freitag der 13. wirklich mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Unglückstag als ein Donnerstag, der 13. Dies läge an Phänomen der Schaltjahre.

Ein Schaltjahr liegt vor, wenn sich die Jahreszahl durch 4, nicht aber durch 100 oder ohne Rest durch 400 teilen lässt. Deshalb umfasst der Schaltjahreszyklus 400 Jahre. Innerhalb dieser Periode nun fällt der 13. häufiger auf einen Freitag als auf einen anderen Wochentag.

Dazu kommt nun die Statistik: Angenommen, ein Unglück tritt an jedem Tag mit gleicher Wahrscheinlichkeit ein. Dann erhöht sich aber die Pech-Quote für Freitage, den 13. wegen seiner durch Schaltjahre bedingten relativen Häufung.

Der gregorianische Kalender wiederholt sich wegen der Schaltjahrregel alle 400 Jahre, was genau 20.871 Wochen (146.097 Tagen) entspricht. Dabei fallen die meisten Dreizehnten (688) auf einen Freitag. Umgekehrt gilt auch, dass Freitage auf keinen anderen Monatstag häufiger fallen als auf einen 13. Am seltensten kommt Mittwoch, der 31. vor – nur 398 Mal in 400 Jahren.

Übrigens hat jedes Jahr mindestens einen, aber höchstens drei Freitage, die auf einen Dreizehnten fallen. Der kürzeste Abstand zwischen zwei solchen Dreizehner-Freitagen beträgt vier Wochen: Dann, wenn der 13. Februar ein Freitag ist und der Februar nur 28 Tage hat, ist auch der zweite März-Freitag ein 13. Zuletzt war dies 2009 der Fall, das nächste Mal wird es im Jahr 2015 sein.

Der längste Abstand zwischen zwei Dreizehner-Freitagen beträgt 14 Monate oder genau 61 Wochen. Dieser Fall tritt ein, wenn der 13. Juli ein Freitag ist und das folgende Jahr kein Schaltjahr ist. Dann fällt erst der 13. September des Folgejahres wieder auf einen Freitag. Letztmalig war dies im Juli 2001 und September 2002 der Fall. Es wiederholt sich in diesem Juli 2012 und dem September 2013.

Eine Pause von ebenfalls 14 Monaten (61 Wochen) zwischen zwei Freitagen den 13. erfolgt auch, wenn der 13. August ein Freitag und das folgende Jahr ein Schaltjahr ist. Dann kommt es erst wieder im Oktober des Folgejahres zum “schwarzen” Freitag. Letztmalig war dies im August 1999 und im Oktober 2000 der Fall. Das nächste Mal passiert dies im August 2027 und Oktober 2028.

Übrigens: ICH leide weder unter Triskaideka- oder Paraskavedekatriaphobie – habe mich schließlich an einem Freitag, dem 13., getraut. Und meine Braut trug schwarz! :-P

Quellen: http://www.deutscher-weiterbildungspreis.de/presse.html, Wiki, eigene Erfahrungen :-)