Doppel-D ist besser als 3D

BILD diskriminiert!

Sie meinen, das wäre nicht neu? Nun ja, manchmal sind sie dort ein wenig sexistisch, auch mal nationalistisch. Stimmt schon.

Jetzt aber kommt noch eine Prise Beindertenfeindlichkeit dazu: Das gedruckte Blatt wie auch die Online-Ausgabe erschienen jüngst dreidimensional. Ohne eine entsprechende Brille sah man nur verschwommen, was nicht von Nachteil war.

Aber ich rufe dennoch zum Widerstand auf. Piraten-Partei war gestern! Ich gründe die Partei der Einäugigen. Nicht, weil die unter den Blinden König sein dürften. Sondern, weil Parteien zu gründen in Deutschland die am häufigsten vorkommende Art von Protest ist. Zudem die demokratischste, um Minderheitsinteressen zu vertreten.

Und ich stehe für eine Minderheit. Die, die ohne räumliches Sehen ist.

Ich habe schon mindestens zwei potenzielle Mitglieder: mein Eheweib und meine kleine Tochter. Alle haben das gleiche Problem. Operative Eingriffe haben zwar uns Strabisten (= Schieler) auf Linie gebracht. Das war’s dann aber auch. Reine Kosmetik. Kein Mehrsehwert.

Seit kurzem werden wir aber noch mehr ausgegrenzt als früher. “Schielgachgook, die schielende Schlange” geheißen zu werden, wie einst in der Schule, war schon fies.

Jetzt aber vermiest man uns noch das Kino-Vergnügen. “Avatar”, “Alice im Wunderland” oder “Drachenzähmen leicht gemacht” sind für uns tabu. Diesmal haben die anderen die Brille auf – und deshalb sogar das Vergnügen. Wir aber sehen … nix. Nur buntes Geflirre. Jetzt wird zudem nicht nur die olle Flimmerkiste 3 D-tauglich, sondern auch BILD.

Einziger Trost: Doppel D erkenne ich auch ohne räumliches Sehen …

Vor 32 Jahren: Sigmund Jähn hebt ab …

Samstag Nachmittag. ich wollte abends zur Disco und ins benachbarte Wiednitz. Das, was man eben so als fast 17-jähriger an einem Samstag im August 1978 machte.

Grundvoraussetzung dafür war, dass ich Vaddern bei der Gartenarbeit half. Gartenarbeit! Oh, wie ich sie liebte! Trost und Ablenkung spendete ein kleines Kofferradio. Mit einem  plaste-plärrigen Klang brachte es uns die Spielberichte der DDR-Fußballoberliga nahe.

Ich interessierte mich nie für Fußball. Mit einer Ausnahme damals – dem 1. FC Magdeburg. Weil mein geliebter Großvater Erich unweit Magdeburgs lebte …

Plötzlich wurde die Übertragung unterbrochen. Eine Fanfare erklang. “Hier ist Radio DDR mit allen angeschlossenen Sendern der Deutschen Demokratischen Republik …”, sagte mit merkwürdig melodramatischen Tremolo eine Männerstimme. Mein Vater und ich guckten uns irritiert an: “Wird ja kein Krieg losgehen …”, brummte der, eher erschrocken.

Krieg war’s nicht. Dafür die Sondermeldung über den erfolgreichen Start “des ersten Deutschen im All”. Mit Sojus 31 war Sigmund Jähn in Baikonur abgehoben.

Abends, bei der Disco, spielte das keine Rolle. Ich war bemüht, weibliche Aufmerksamkeit zu erringen. Wie üblich, mit eher mäßigem Erfolg. War auch kein Wunder, so wie ich damals aussah …

Weit nach Mitternacht, allein und ziemlich betrunken auf dem knapp 5 km langen Weg nach Hause, musste ich kurz Pause machen. Während ich pinkelnd am Straßenrand stand, suchte ich den wolkenleeren Nachthimmel ab. Irgendwo da oben muss doch Sigi rumdüsen?!?

Gesehen habe ich natürlich nichts. Schob das aber auf meine allseits bekannten Adleraugen, die zudem promille-bedingt selbst den Straßenverlauf nur ahnen ließen.

Schwachsinn des Tages: Das Ü-Ei-Verbot

Heute vor zwei Jahren machte eine Schlagzeile die Runde: Ein paar Bundestags-BürokraTiger hätten das Überraschungs-Ei ins Visier genommen. Die Kombination von Süß- und Spielware gehöre verboten, hätten sie entschieden.

Es schien den Berliner Weltverbesserern um das Wohl des Nachwuchses zu gehen: Kinder wären gefährdet, weil sie nicht zwischen Naschwerk und Nutzwert des umhüllten Spielzeugs unterscheiden könnten, daher das falsche verspeisen würden – mit fatalen, weil womöglich letalen Folgen.

Sicher. Kinder, vor allem ganz kleine, stecken so ziemlich alles in den Mund. Und schlucken auch Dinge, die sie nicht schlucken sollten. Wohl aus diesem Grund wollte Miriam Gruß von der FDP außerdem gleich noch Cornflakes, die Spielzeug enthalten, mit verbieten.

Nun gilt eigentlich die EU als besonders verordnungswütig. Doch selbst jene, die die Krümmung der Banane normierten, sahen bisher keinen Grund, gegen Ü-Ei & Co. Front zu machen.

Klang alles also sehr nach Helmpflicht für Cabrio-Fahrer, einer der schönsten Sommerloch-Geschichten der letzten Jahre …

Oder habe ich schon damals nicht den Weitblick unserer Polit-Elite verstanden?

Was Großmutter noch wusste …

Meine Großmutter hatte ein kleines Oktavheft. Das steckte in der Küche hinterm Brotkasten, meist unbeachtet und trotzdem behütet wie der Augapfel. Nur zu besonderen Anlässen kam es zum Einsatz. Dann wischte sich Oma Gisela die Hände an der Kittelschürtze ab, holte umständlich die Lesebrille aus dem abgegriffenen Etui, behauchte die Gläser und putzte sie hernach mit jener Schürze, die sie tagaus, tagein trug. Besseren Durchblick versprach diese Handlung nicht, aber es war eben eher ein Ritual. Sie schob sich die Brille auf die Nase; nicht ganz so, wie es ihre Optikerin hätte sehen wollen. Das Gestell thronte weit vorn auf dieser imposanten Erscheinung in ihrem Gesicht. Dann schnappte sie sich das Büchlein und ein Kissen, nahm auf der Ofenbank Platz und schlug mit andächtiger Miene das Büchlein auf.

Auf den schon leicht vergilbten Seiten hatte mit einer Schrift, die ich als Kind nicht entziffern konnte, Giselas Großmutter und später deren Tochter das eine oder andere Rezept aufgeschrieben.

Auf den Seiten des Büchleins im handlichen Format vereinten sich zwei Generationen Küchen–Tradition und mindestens auch zwei Koch- und Backwelten.

Nicht, dass Gisela die Speisen nicht ohne Ahnen-Anleitung hätte kochen können! Aber es gehörte eben dazu, in dem Kompendium der Genüsse zu blättern, dabei „Ah!“ und „Oh!“ zu murmeln. Wenn diese eher weihevolle Lektüre eine angemessene Weile gewährt hatte, sagte Oma Gisela „So, dann wollen wir mal!“, klappte das Buch zu, räumte alles pedantisch auf – das Buch hinter den Brotkasten, das Kissen auf die Ottomane, die Brille ins Etui.

Dann türmte sie diverse Zutaten auf dem gewaltigen Küchentisch auf und Schüsseln und Kasserollen, legte allerlei Werkzeuge dazu wie Teigrollen, Löffel, Gabeln etc. – immer in Abhängigkeit davon, ob das Entstehende dann vom Groß-Maul des Backofens verschlungen wurde oder auf den vor Hitze knisternden Herdplatte zugerichtet wurde. Dafür musste Oma Gisela vorher ordentlich einheizen, sie hatte einen von den alten Küchenherden, der mit Holz und Kohle gefüttert werden musste. Nix da mit Regler drehen und los geht’s! Alles wollte wohl bedacht sein …

Nun ja; war das Werk vollbracht und brutzelte, schmurgelte vor sich hin oder buk im Dunkel des Herdes, dann durchströmten das Neubauern-Haus in der Magdeburger Börde die wunderbarsten Düfte, dass einem das Wasser im Mund zusammenlief.

Das Rezeptbuch von Oma Gisela gibt es nicht mehr. Wer weiß, wer es sich unter den Nagel gerissen, welcher aufräumende Nachlassverwalter aus der weit verzweigten Familienbande den unschätzbaren Wert dieser ganz speziellen Handschriftensammlung zu schätzen wusste.

Ich hätte es jedenfalls auch sehr gern besessen, habe ich doch heute nur noch Erinnerungen an die Mohnsuppe oder den leckeren Apfelmus-Kuchen, die „Schnapstorte“ nach Frau Butze, den Schoten- oder Kirsch-Klump …

In eigener Sache…

Am Dienstag war’s. Da wünschte ich mich in die 70er Jahre zurück: so ganz ohne Internet, ohne Handy, SMS und den ganzen Kommunikationszinnober.

Erst hatte so eine oberschlaue Mistbacke mein Facebook-Konto geknackt und dann mit dessen Daten mein “Kontakte”-Ordner vom PC ausgelesen. Die erste Welle gefälschter, weil nicht von mir versandter Mails lud zum Besuch meiner Facebook-Seite ein. Leider eben auch Geschäftskunden, die so was nun mal nicht mögen…

Echt arg wurde es aber erst danach: Eine Mail, die meinen Original-”Aschenbrenner”-Mails täuschend ähnlich sah und als Entschuldigung wegen des Daten-Lecks geschrieben schien, wurde mit all meinen rund 2.000 E-Mailkontakten versehen und versandt. Der Server verschluckte sich daran und versuchte deshalb immer und immer wieder, die Liste abzuarbeiten…

Geschätzt 100.000 Mails gingen raus. Manche bekamen in wenigen Minuten 20, 30 ins Postfach geschwemmt. Und dann deshalb echt schlechte Laune. Telefondauerklingeln und eine Gegenwelle von Beschwerdemails legten mich lahm. Tröstlich, dass andere Verständnis zeigten und auch Zuspruch gaben.

Glücklicherweise haben die Jungs meines Providers das Schlimmste verhindern können, aber  wie groß der Schaden wirklich ist, kann ich nur ahnen.

Verursacher allen Übels bin trotzdem ich. Und deshalb auch diese Zeilen als Warnung…

Blond und über 40 nutze ich ein Master-Passwort, um meine sonstige Passwörter zu sichern und zugleich nutzen zu können. Als ich wegen des Troubles dann mich wieder bei Facebook einloggte, habe ich quasi die Tür zu meinem Rechner sperrangelweit geöffnet.

Die IP-Adresse des Hackers liegt vor und weitere Daten, die ausreichend sind, um jetzt eine Anzeige machen zu können.

Das flaue Gefühl bleibt aber dennoch, dass wegen der Aktion vom Dienstag noch nicht alle Messen gesungen, alle Wunden geleckt sind.

Dies jedem anderen zur Warnung…

“Friedenstaub, -stumm und -blind”

Hab geschlafen unterm Apfelbaum,
und der hing mit Äpfeln voll.
Als ich träumte einen Apfeltraum
in Moll.
Alle Äpfel hatten ein Gesicht,
jedes weinte bitterlich.
Und der Apfelbaum,
der neigte sich zu mir.

“Rüttle, schüttle mich, Fremder,
mein Gewicht ist gar zu schwer.
Träume deinen Traum
unterm Apfelbaum doch hinterher.”

Kam ein Vogel, flog auf einen Ast
und er war die Goldmarie
aus dem Märchen.
“Mein Freund aufgepaßt”,
sprach sie,
“Dieser Baum gehört dem alten Mann,
in dem Häuschen nebenan.

Wenn du kannst,
denn es geht ihm sehr schlimm,
hilf ihm.
Recke, strecke Dich,
ich erwecke dich aus deinem Traum.
Stell dich nicht so an!
Hilf dem alten Mann
und seinem Baum.”

Wachte auf, fast wie ein Trunkenbold.
Stellte fest: nur Fantasie
war der Apfeltraum
und auch die Goldmarie.
Nahm die Äpfel ab, gab sie dem Mann,
der schon sieben lange Jahr,
wie er sagte, nicht in seinem Garten war.

“Sieben Jahre sind manchmal stumm und blind,
mehr als ein Traum.”,
sprach der kranke Mann.
Bot zum Dank mir an – den Apfelbaum.

(Text: Klaus Renft)

Ich hörte heute Renfts Lied. “Sieben Jahre sind manchmal stumm und blind, mehr als ein Traum.” Stimmt. Sieben Jahre ist es nun schon wieder her. Vor sieben Jahren, am 17. März 2003, stellte die Bush-Administration ein Ultimatum an Saddam Hussein: Entweder er verließe innerhalb von 48 Stunden den Irak. Oder man werde angreifen. Hussein blieb; am 19. März begann der 3. Golfkrieg, der auch als Irak-Krieg in die Bücher einging.

Damals wurde deshalb auch heftig in Deutschland gestritten. Für „Oscar am Freitag“ hatte ich bereits im Januar die folgende Kolumne geschrieben:

Friedenstaube

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und niemand ist überrascht. Alle Welt redet darüber. Seit Monaten. Als ob’s das Normalste dieser, unserer Welt wäre. Los zu ziehen, um zu töten. Damit Friede herrsche. Verdammt, sind wir denn im Krieg? Schon jetzt?

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und er wird kommen. Schaut doch alle Welt zu, wie Bush & Blair Mann um Mann an den Golf karren. Schröder fischert dazu in bündnistreuen Hoheitsgewässern nach Ködern. Um die unausweichliche wie uneingeschränkt solidarische Kehrtwende volksverdaulich zu machen. Derweil schrödert Joschka über’s diplomatische Parkett. Ölzweigschwenkend, in Bündnistreu’ und Glauben.

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und wir sind dabei. Live und in Farbe. Dank CNN¸ ARD und n-tv. Müsste nicht der Wahrheit halber jeder „Frontbericht“ angekündigt werden: „Dieser Krieg wird Ihnen präsentiert nach hochnotpeinlicher Zensur durch das Pentagon.“?

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und er wird vom ersten Waffengang an mit brutalstmöglichster Macht geführt. Schließlich geht’s ums Ganze, ums Öl. Das gab’s halt in Bosnien nicht. Da wurden nur Menschen gemeuchelt. Deswegen schickt Uncle Sam doch nicht gleich all’ seine Jungs ins Feuer.

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und eigentlich ist keiner dafür. Die Kreis-PDS kündete jüngst davon, schon gleich am ersten Schlachten-Tag eine Demo zu machen. Und was ist mit uns anderen? Sind wir alle Friedenstaube, -blinde, -stumme?

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Und was sagen wir unseren Kindern? Das wir eh’ nichts tun können? Das „die da oben“ das Sagen haben? So verlieren wir wieder ein bisschen der Unschuld und Glaubwürdigkeit.

Stell’ Dir vor, es ist Krieg. Zwischen zwei Sondermeldungsfanfaren werden wir uns dann schämen. Ein wenig wenigstens. Uns zu Liebe.

“Oscar”-Kolumne: Über Gewichtiges

Meinen Freund Maik (die Edel-Schlampe…) und mich – uns eint mindestens zweierlei. Und das schon seit etlichen Jahren:

1. sind wir mit Leib und Seele Schreiberlinge.

2. mehr oder minder übergewichtig.

Doch während Maik seinen Fight mit den Pfunden wiederholt und öffentlichkeitswirksam zum Gegenstand von Wetten machte, kämpfe ich einen eher stillen Kampf gegen die Kilo. Was schlussendlich aber ebenso erfolglos blieb wie die wilden und wagemutigen Wettorgien des Ober-Oscars.

Ist schon ein Elend! Wir zwei beiden sind aber auch keine Kostverächter und offensichtlich extrem gute Futterverwerter. (Und wieso geht mir bloß der blöde Spruch nicht aus dem Kopf, demzufolge ein guter Hahn selten fett wird???) Weiterlesen

Sextremistisches

Das ist doch nicht möglich! Das ist doch einfach unglaublich!
Sharon Stone feiert heute ihren 52. Geburtstag…

Glückwunsch! Darf man aktuellen Bildern (wie diesem vom Januar aus L.A.) vertrauen darf, ist sie augenscheinlich scheckheftgepflegt.

Sie hat ja nie ein Hehl daraus gemacht, dass sie Ärzte nicht nur aufsucht, wenn sie sich schwach auf der Brust fühlt.

Keine Frage: Wer vor 18 Jahren schon “Basic instinct” gucken durfte und meinte, in der legendären „Ich schlag mal meine Beine über“-Szene an den Schweißperlen auf Michael Douglas’ Stirne den Beweis erkannt zu haben, dass auch er zwischen Sharon Stones endlos langen, nackten Beinen in die unendliche Weite weiblichen Seins habe blicken dürfen – auch der käme heutzutage nicht mehr ins Frischfleisch-Regal. Weiterlesen

Frauentage und andere Plagen

Hugo – das ist der Kose-Namen, den mein Weib mir verpasste -, also: Hugo hatte gestern einen Black out. Und das obendrein an diesem Tag wegen dieses Tages.

Immerhin war ja 8. März: Ich erinnerte mich an den 39. Geburtstag meines Freundes, der Edelschlampe Maik. Ich vergaß nicht, zu unchristlich früher Zeit – um 8 Uhr – pünktlich in Gamstädt bei der Agrar GmbH zu erscheinen, um einem meiner anspruchsvollsten Kunden eine gute PR verpassen zu können. Ebenfalls zuverlässig  wie gewohnt erschien ich in Königsee zur Eröffnung der AWO-Begegnungsstätte. Schmeichelte dort den älteren wie den jüngeren Damen und rabaukte mir ein paar Infos zusammen, damit ich einen ordentlichen Text fabrizieren kann. Dann gondelte ich noch nach Saalfeld und spielte den Charmeur bei Jeannette Heine und Christiane Kranert, um auch hier meinen Job ordentlich zu machen.

Auf dem Wege zu jenen feschen Mädels vom Häuslichen Pflegedienst der AWO, von denen auch ich mich mal gerne betreuen lassen würde, klingelte ich noch bei Muttern an. Da ich schon sechs Wochen nix von mir hören lassen hatte, gab es Schelte. Der milden Art allerdings… Weiterlesen

Und das war doch das erste Mal…

3. Mai 1982. Montag. Mein erster Tag als Volontär der “Lausitzer Rundschau”. Kurz zuvor, am 29. April, hatte ich das “Ehrenkleid der NVA” abgelegt.

Wobei “Ehrenkleid” in jeder Hinsicht eher ein Witz war…

Auch die Uniform eines Gefreiten, der ich am Ende wieder sein durfte, war modisch wie materialtechnisch keine Offenbarung. Noch schärfer war die baumwollene Unterwäsche – von Dutzenden von Jungs zuvor “eingetragen” -, die sexy war wie ein Kartoffelsack und sich ebenso auf der Haut anfühlte. Einziger Vorteil: Nie im Leben trug ich danach Feinripp.

Und als “Ehre” hatte ich es auch nicht einen Tag empfunden, diese Uniform zu tragen. Eher verwunderte es mich bis auf den letzten Tag, dass mehrheitlich laut brüllende legasthenische Choleriker das Kommando hatten. Etliche von ihnen wollten mir “scheiss Intelektuellen”, der ich für sie wegen meines Abiturs war, beibringen, was gehauen und gestochen war. ich mimte auf militärischen Trottel, obwohl manchmal mein Ehrgeiz siegte und ich mit Cleverness so etliche Vergünstigungen wie Sonderurlaub etc. herausschlagen konnte. Dazu aber an anderer Stelle mehr. Weiterlesen