Das Wort zum MUTwoch (11): MondÄn

Erich L. aus F., furchtloser Frauenheld, freiwilliger Feuerlöscher und genialer Großvater mütterlicherseits, sprach einst zu mir:

„Jung’, wenn Dir Haare wachsen, wo früher keine waren und wenn da, wo sie früher waren, keine mehr sind – dann wirste alt.“

Der erste Teil seiner Prophezeiung trat schon vor einigen Jahren ein. Ich erspare Details. Dem zweiten widersetzt sich meine Natur scheinbar weitgehend erfolgreich. Winnetou hätte seine Freude daran, meinen Skalp zu erbeuten – der Schopf auf dem Kopf ist nämlich noch dicht und daher grifffest.  Zudem keine Grauzone, was die wahre Lebenszeit kaschiert.

Doch dank der Indiskretion meines Freundes Maik Sch. ist es ja inzwischen auch landkreisweit bekannt: Ganz knackfrisch ist er dennoch nicht mehr, der Aschenbrenner.

Da dies unausweichlich ist, führe ich auch keine Klage. Zudem ergeben sich Begleiterscheinungen, die mein Umfeld zu schätzen weiß: Skorpionische Anfälle werden seltener und ich zeige sogar gewisse Ansätze von Altersmilde und –weisheit.

Eher weniger angenehm ist, dass mich kosmische Einflüsse komisch werden lassen: Noch als Kind kokettierte ich kurz mit einer kosmonautischen Karriere. Wähnte daher den Mond als Sehnsuchtsort für Ausflüge kompatibel – vor allem aus der Perspektive des Städtchens Bernsdorf, gelegen in der Oberlausitz. Sojus-Sozius wurde ich allerdings nicht. Schon beim ersten Zentrifugal-Test auf dem windschiefen Karussell im Bernsdorfer Bebel-Park, bei dem mein Bruderherz Jens den Treibsatz fürs Drehmoment abgab, ließ ich mir die Sache und die Schul-Makkaroni mit Tomatensoße noch einmal durch den Kopf gehen.

Später, als halbgereiftes Männchen, erhellte die Himmelslaterne meine ersten zaghaften Versuche, die weibliche Psyche – noch mehr aber die Physis! – zu ergründen. Die eine ist mir derweil recht gut vertraut. Die andere hingegen scheint bis zum letzten Stoßseufzer meines Lebens ein unversiegbarer Quell der Überraschungen zu bleiben. Und das ist auch gut so!

Jetzt aber, zur Lebenshalbzeit, kommt mir der Mond wirklich richtig in die Quere: Ist der Bursche voll, bin ich platt. Nicht, dass ich somnambul und demnach ein Schlafwandler wäre, also Feldforschungen betreibe. Vielmehr verwehrt mir Morpheus seine Arme und ich kann schlicht nicht pennen, bin schlaflos. Schlaflos in Gotha.

Deshalb freute ich mich auf den vorigen Samstag und ein optisch eindrucksvolles Naturereignis: „La Luna“ sollte sich nämlich in unvergleichlicher Größe und Schönheit zeigen. Nicht als optische Täuschung, sondern wirklich und wahrhaftig.

Der Grund: Erstmals wieder seit März 2011 rauschte unser fahler Begleiter vollmondig durchs Perigäum, den erdnächsten Punkt seiner Umlaufbahn. Punkt 5.35 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Sonntag passierte das und er haarscharf uns – keine 356.410 Kilometer weg.

Deshalb erschien er jenen, die ihn sahen, 14 % größer und 30 % heller als sonst. Ohne Preisaufschlag! Sozusagen als mondÄner Rabatt.

Mir – wie allen anderen in Gotha – allerdings wurde der nicht gewährt.

Aber glücklicherweise gab es ja das Gothardus-Fest und AnnRed, Mr. Backhaus, „Fanfare Ciocarlia” und eine Menge gutgelaunter Männ- wie Weiblein, die sich auch ohne Mondschein begegneten …

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

Das Wort zum MUTwoch: Vögeleien

Ich fabulierte jüngst hier über meine O(h)rgasmen. Dieses „Wort zum MUTwoch“ schlug wehwehweh-weit Wellen. Mich erreichte manch kecker, manch kühner Kommentar – und nicht nur von nachtwandelnden Nachbarn. Allein, die Beschreibung meiner Lauschleiden war unvollständig, wie es mir hernach quasi wie Federn vom Face fiel. Hatte ich doch glatt die lausige Vögelei vergessen.

Gemach! Ich sehe förmlich, wie Augenbrauen auf Himmelfahrt gehen! Doch keine Sorge: Weder die Mönchelsstraßen-Moral noch jene des „Thüringen-Reporters“ gerät ins Wanken. Nicht direkt und durch mich und keinesfalls heute. Denn die durchaus erotische Version des Hitchcock-Knallers „Das Fenster zum Hof“ bleibt für ein anderes Mal aufgespart. Wobei es sich dabei nicht um ein „Rear Window“ wie im Originaltitel handelt. Vielmehr öffnete sich mitten in Gotha ein „Straßenblick“ der galanten Art …

Heute hingegen dreht sich alles tatsächlich um die Vögelei, weil um eine Amsel. Die pfeift seit Wochen und aller Wahrscheinlichkeit nicht mir hinterher. Dies tut der gefiederte Freund ausdauernd und lautstark. Er fängt damit an, wenn es dem Morgen graut. Und er pflegt den täglichen Abgesang nicht nur im Abendrot.

Selbst mir, der sich mit Vögeln nicht auskennt, wurde alsbald klar, dass es ein Amselmann, also ein Amselrich ist: Klavierlackschwarz sein Gefieder, orange der große Schnabel. Und Augenringe gleicher Farbe hat er auch.

Und ich habe den Eindruck, die werden von Tag zu Tag größer. Eine Nachbarin, die dies auch bestätigte, meinte, womöglich habe er schon einen Samenkoller. Nun, so weit reicht mein vogelkundliches Wissen nicht: Aber mir scheint, der Bursche hat ein Paarungs-Problem, weil einen Migrationshintergrund.

Wikipedias Schwarmintelligenz instruierte mich nämlich, dass mitteleuropäische Amseln im Winter nach Südeuropa oder Nordafrika ziehen. Wäre doch vorstellbar, dass ein dort beheimateter Piepmatz sich unsterblich in eine deutsche Amseline verguckt hat und ihr nun folgte, oder?

Offensichtlich ist, dass der Amselmann sein Bestes gibt, aber irgendwie nicht ans Ziel seiner sehr melodiös vorgetragenen Wünsche kommt. Scheinbar zwitschert er tschechisch oder tiriliert türkisch, flötet französisch oder balzt bulgarisch – wer weiß! Manchen Tag jedenfalls pfeift er erst mit Inbrunst, um dann abrupt zu schweigen. Ich glaube, dass er verstimmt verstummt, weil kein anmutiges Amselweib auf ihn abfährt.

Das tun hingegen unsere zwei Katzer. Die haben den Kerl quasi auf dem Kieker, weil Vorlieben für fliegende Feinschmeckereien. Kein Wunder allerdings: Meist ist der stimmgewaltige Chansonnier zwar auf den Blitzableitern und den Wolken ein Stück näher. Aber zuweilen – besoffen vor Liebe – macht er einen auf Bodenbrüter.

So auf dem Präsentierteller, weckt das selbst im mehr oder minder reinrassigen und deshalb sonst eher bissel depperten Eddi das Raubtier. Ganz zu schweigen von meinem rotfelligen KamiKatzer Louis …

Es mag daran liegen, dass ich zu oft französische Filme gucke: Da kommt es vor, dass die, die sich lieben, sich am Ende nicht lieben dürfen und deshalb in die Seine gehen.

Mir drängt sich deshalb der Verdacht auf, der Federbalg will sich vor lauter Liebeskummer in den sicheren Tod stürzen. Wie’s scheint, gibt’s keine Hoffnung. Nirgends.

Und auch Petra Heß wird wohl nicht helfen: Dabei soll doch die Thüringer Ausländerbeauftragte „Integration erleichtern und gestalten, Diskriminierung erkennen und bekämpfen und Verständnis zwischen ausländischer und deutscher Bevölkerung fördern“.

Da steht zwar kein Wort von Fremd-Vögeln. Aber auch keines dagegen …

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

Oscar-Kolumne: Fee! Will! Kommen!

Im Märchen obsiegt stets das Gute. Zuweilen aber auch nur, weil eine berückend schöne und gute Fee simsalabimst. Von Feen lernen, heißt obendrein siegen lernen: Sie setzt nämlich ihren Zauberstab nur im alleräußersten Notfalle ein, um diverse Bösewichte zu pürieren, sie aufzulösen oder in hässliche Tiere zu verwandeln. Vielmehr erfüllt sie drei Wünsche.

Ich liebe Märchen. Immer noch. Und deshalb gehe ich mal davon aus, dass mich demnächst eine dieser wunderschönen, wundersamen, Wunder gewährenden Feen beehren wird. Denn ich habe drei ganz dringende Wünsche seit dem 22. April:

Erstens wünschte ich mir, dass 19.651 residenzstädtische Männ- wie Weiblein (sowie auch jene, die sich nicht entscheiden können oder wollen …) am nächsten Tag aufwachten und sich schwören, nie wieder nicht wählen zu gehen. Es enttäuschte mich, dass mehr als die Hälfte der Gothaer ihr Wahlrecht ungenutzt verstreichen ließen. Es beschämte mich, weil ich mich als Medienmensch nicht unschuldig daran fühle. Braucht es heute doch keines Druckhauses, keines Sendestudios mehr, um sich einzumischen – internet(t)er Technik sei Dank. Und es wunderte mich, dass trotz der bescheidenen Wahlbeteiligung Siege überschwänglich gefeiert wurden.

Keine Frage: Knut Kreuchs 76,5 % sind mehr als nur eine Hausnummer. Aber am Ende bedeuten sie – bezogen aufs GANZE Wahlvolk – dass er nur die Legitimation jedes dritten Gothaer hat. Wie ich aber unseren Volks-Tribunen kenne, wird ihn das erst Recht anstacheln, auch jene zwei Drittel Menschen in dieser Stadt mit seiner Arbeit überzeugen zu wollen, die sich anders, gegen ihn oder eben gar nicht entschieden haben.

Gleiches gilt im Übrigen für die Wahl des Landrates – bezogen auf seinen deutlichen Sieg, die gleichsam bescheidene Wahlbeteiligung und den daraus ableitbaren Auftrag für Konrad Gießmann.

Zweitens wünschte ich mir, dass künftig Wahlen weder Kämpfe noch Schlachten sein sollten, bei denen es darum geht, Gegner und deren Fuß- wie Wahlvolk zu vernichten. Vielmehr schwebt mir ein Wettstreit der Ideen vor, die nicht gegen-, sondern miteinander entwickelt werden. Dann wäre auch das unnütze Plakatieren verzichtbar: Wirklich gute Ideen sind nämlich höchst selten plakativ, lassen sich kaum stammtischtauglich auf Drei-Wort-Parolen verkürzen.

Deshalb wäre es auch mein dritter Begehr, dass ab sofort der jeweilige Wahlsieger in Stadt, Landkreis – oder wo auch immer! – seine unterlegenen Mitbewerber hernach einlädt, um gemeinsam deren beste Vorschläge und Vorstellungen zu diskutieren und sie dann umsetzt. Ganz spontan fiele mit da das Thema „Bürgerbeauftragte“ ein. Sie wären sicher kein Universalwerkzeug à la „Schweizer Taschenmesser“  gegen den Politikverdruss. Aber sie könnten – guten Schiedsrichtern gleich – darauf achten, dass die demokratischen Spielregeln von allen und immer eingehalten werden.

Deshalb skandiere ich jetzt mal:
Fee!
Will!
Kommen!

(Kolumne für “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, erschienen am 27. April 2012)
Foto: pixelio

„Christine Lieberknecht auf Kneipentour“

„Christine Lieberknecht auf Kneipentour“ – was für eine geile BILD-Schlagzeile!?

War aber die operative Antwort der hiesigen CDU-Bataillone auf Störfeuer. „Unbekannte Personen“, so las man, hatten die Podiumsdiskussion “Christliche Werte in der Politik” im Augustinerkloster verhindert. Druck wäre auf Superintendent Lehmann ausgeübt worden.

Aber klein beigeben ist nicht: Und wenn schon einmal im Terminplan der MP Gotha steht, muss es eben eine Alternative geben. „Wir gehen auf die Gothaerinnen und Gothaer zu“, beschrieb die das Elflein der CDU.

Der dazu benutzte Stadtrundgang sollte ab 20 Uhr seinen Abschluss im „S’Limerick“ finden. Meinem Alter ego und Freund Maik Sch. verdanke ich, dieses besondere Ereignis erlebt zu haben. Denn eigentlich wollte ich gestern weder Lieberknecht gucken noch Guinness trinken gehen. Doch halb zog er mich, halb sank ich hin. So stapfte ich noch vor dem Sandmännchen Richtung Buttermarkt, statt im „dayfit“ die Spätfolgen der 1986er Weihnachtsgans zu bekämpfen. Ich tat dies so zeitig, weil mein von der Arbeit heimkehrendes Weib – kurz zuvor deshalb den Pub passierend – ihn brechend voll wähnte.

Ihre Wahrnehmung erwies sich als falsch, sozusagen als Frau Morgana: Sechs Gäste ließen (fast) unbeschränkte Platzwahl zu.

Erste Anzeichen dafür, dass es ernst werden würde, gab es kurz vor halb acht. Ein Streifenwagen fuhr vor. Dessen uniformierte Besatzung enterte den potenziellen Tatort. Zunächst wurde Kati, die coole Kellnerin, befragt, ob „auffällige Personen“ im Objekt gesichtet worden seien. Danach inspizierten und sicherten die beiden Beamten – unter grober Einhaltung des Kollegen- und Eigenschutzes – die rückwärtigen Räume.

“Tatort“-tauglich war das zwar nicht. Ihren Argusaugen entging dennoch nichts, da nichts Arges da war. Es dauerte auch nicht lange: Außer drei im Gespräch vertieften Typen, die über Kinobeschallungstechnik fachsimpelten, und mir, der ich mein Chili con carne verputzte, war da niemand.

Wider den Stachel löckend, sann ich einen Moment darüber nach, lauthals die „Bombenstimmung im Hause“ zu rühmen. Da aber Satire weder bei Lesern noch bei Polizisten unmissverständlich ankommt, ertränkte ich meinen Übermut im rotem Hausbier.

Wenig später tauchte Alexander Linß auf. Der „Londoner“-Kneipier und OB-Kandidat der Linken ließ sich nach kurzem Rundgang am Tresen nieder.Später traf ich ihn im Keller – telefonierend. Er täte dies, um die Gäste nicht zu stören. Echt rücksichtsvoll, finde ich. Und verstehe jetzt, warum manch “Schwarzer” zum Lachen in den Keller geht …

Dann geschah länger nichts, was nicht üblicherweise in einem Pub geschieht. Bis der Schwarm einfiel.

Zunächst sondierten zwei Personenschützer den freien Zugang. Die Jungs sehen zwar nicht mehr aus wie freie Mitarbeiter vom „Inkasso Team Moskau“. Aber wie sie auftreten, wird glasklar: Sie sind sich ihrer Aufgabe bewusst. Sie geben ihr Leben für das der Ministerpräsidentin. Sie werfen sich in die Flugbahn von allem, was auf ihre Schutzperson zukäme. Selbst wenn es Worte wären.

Unübersehbar ihre kleinen Männer im Ohr. Weniger offensichtlich die Holster, in denen ihre Bleispritzen parkten. Und ich sah, staunte und lernte, während ich genüsslich ein Guinness schlürfte: So ein Personenschützer hat mindestens zwei Handys. Sicher auch deshalb, damit Christine L. nicht in die solche Bredouille wie ein gewisser Christian W. kommt. Der gewesene Bundespräsident musste sich – wie bekannt – von einem Freund ein Telefon leihen, damit er ohne fremde Lauscher in der Leitung seine Liebeschwüre erneuern respektive andere staatsmännische Aufgaben erfüllen konnte.

Als die Jungs Entwarnung gaben, dass die Luft rein wäre, kam Frau Christine und ihre Entourage. Gelöst und fast beschwingt. Offensichtlich hatte der Spaziergang an frischer Luft gut getan.

Man gruppierte sich – nicht ohne kleine Kabbeleien um die besten Plätze direkt an der Seite der Landesmutter. Die Runde bestellte eine Runde – erwartungsgemäß niemand ein rotes Bier. Dann war man schon im entspannten Gespräch.

Untereinander, denn der gemeine Gothaer gesellte sich – zumindest hier – nicht dazu. Mit Ausnahme des Londoner-Kneipiers und meines Freundes Maik. Die beiden aber gehören mindestens zur residenzstädtischen Haute-Volée und sind Personen des Zeitgeschehens.

Maik kam übrigens – wie immer – zu spät. Aber er hatte diesmal einen guten, einen echt knuddeligen Entschuldigungsgrund: Söhnchen Gustav, noch keinen Monat alt, wollte nicht einschlafen.

Ein reichliches Stündchen ging so hin. Zu hören gab es nichts, weil es zum Zuhören nichts gab. Man smalltalkte dezent, während ab und an Blitzlichter zuckten. Zum einen hatte Thüringens Tageszeitung Nr. 1 ihre investigative Geheimwaffe, meinen hoch geschätzten Kollegen Peter R., im Einsatz, um zu sehen, wer an der Landesmutter Schoßzipfel hängt. Zum anderen war Emanuel C., der keinesfalls lautlose Schatten gleich zweier Herren, wie immer eifrig und nah dran, wenn Politik zum Anfassen geboten wurde. Der Noch-Student der Politikwissenschaften saugt sicher enorm viel Honig aus seinem wahlkämpferischen Freilandversuch.

Spannend etwa, wie Christine L. den überwiegend männlichen Zirkel dominierte. Selbst ausgewachsene Bundestagsabgeordnete schienen an ihren Lippen zu hängen. Es heißt ja, kluge Männer hören auf ihre Frauen. Ganz besonders pfiffige offensichtlich auch auf fremde …

Erfolgreiche Frauen in der Politik sind eben immer besonders spannend und aufschlussreich: Sie beweisen, dass Testosteron tatsächlich keine Voraussetzung dafür ist, um Alpha-Tierchen zu werden.

Dann – kurz nach neun – brach die andere Thüringer Nr. 1 auf. Sie grüßte freundlich das immer noch recht übersichtliche Pub-Publikum und entschwand. Ihr Gefolge blieb ihr auch dabei auf den Fersen. Nicht aber, ohne zuvor Tütchen zu verteilen. Die ließen sich zwar nicht rauchen und interessierten daher die draußen ausharrenden Beamten nicht. Sie enthielten Blumensamen. Ich bekam gleich zwei, wohl weil CDU-Kreisgeschäftsführerin Rosel Steinbrück meine kleingärtnerischen Inkompetenz ahnte.

 

 

 

 

 

 

 

Schwarze Tulpen werden zwar nicht sprießen; aber falls die „bunte Landkreismischung“ bei mir wurzelt, schenke ich ihr einen Strauß.

Das Wort zum MUTwoch: Kot d’Azur

Warum ich ausgerechnet heute auf ein Scheiß-Thema komme? Ganz einfach: Ich hatte Kacke an der Hacke. Und deshalb folgte auf einen kurzen Weg ein längerer des Leidens.

Doch der Reihe nach: Ich war unterwegs in Gotha. Und in Gedanken. Das ist ein Aggregatszustand des Aschenbrennerischen Geistes, da scheint er nicht ganz Herr seiner Sinne. Der Moment, wo er an Freunden wie Bekannten vorbeirennt, als ob er keinen von denen mehr kennt.

Doch auch im diesem, seinem anderen Raum-Zeit-Kontinuum bleiben Tretminen aber Tretminen. Wie jene vorm Eingang zur Bank. Ob sie nun ein besonders anrüchiger Protest gegen globale Bankster war, den der beste Freund eines Occupy-Anhängers dort hat abdrücken dürfen oder nicht: Diese Art von Attacken gegen die Ackermanns der Welt können sich von mir aus solche Kacktivisten in den Anus stecken!

Wie anhänglich Kleffer-Kot ist, bedarf keiner näheren Erläuterung. Jeder Schritt weiter hätte also nur das geschmeidige Produkt vierbeiniger Verdauung tiefer ins Profil meiner Wohlfühl-Treter gepresst. Aber deshalb den beschissenen Schuh ausziehen? Das schien mir nicht geboten; selbst wenn ich mein sicher auch einiges Aufsehen erregendes Verhalten – meine einbeinige Barfüßer-Rolle – auf Vorfrühlingsgefühle hätte schieben können …

Doch mit Dreck am Stecken lässt’s sich nicht elegant flanieren. Zudem förmlich mit der Nase auf diese hässliche Hinterlassenschaft gestoßen, wurde mein Rückzug vom Ekhofplatz in heimische Gefilde zum Un-Geschicklichkeitsparcours – ich ortete auf den knapp 200 m immerhin weitere acht Fäkal-Fallen.

Das weckte den Straßenfeger in mir und den Jagd-Instinkt. Alsbald war klar: Berlin, unsere kapriziöse Kapitale, ist zugleich deutsche Hundekack-Hauptstadt. 100.000 Steuermarken tragende und geschätzt weitere 50.000 illegale Häufchen-Häufler liefern täglich 55 Tonnen. Schon gibt es Reiseveranstalter, die Berlin zur „no go area“ erklären, ihre Kunden vorm unerfreulichen Aha-Effekt wegen der allgegenwärtigen Aa warnen.

Angenommen, in Gotha sind prozentual ebenso viele auf den Hund gekommen wie unter den knapp 3,5 Mio. Berlinern: Dann lauern hier täglich 750 kg Wautzi-Würstchen nur darauf, sich an fremde Füße zu heften.

Dabei gilt als „Kot d’Azur“ der Residenzstadt übrigens die Seebachstraße. Aber auch der Schlosspark oder die Waisengasse hätten diesen Scheiß-Titel verdient.

Ehe mir jetzt aber mein lieber Nachbar Dr. Bernd S. die Freundschaft kündigt, zwei Bemerkungen:

Zum einen kümmert es nicht alle Hundebesitzer einen Scheiß, wo die geliebten Vierbeiner ihre Spuren hinterlassen. Diese geschätzt 15 % deutschlandweit sind aber eben noch eine kleine, wenn auch reinliche Minderheit.

Zum anderen gerate ich als angestellter Dosenöffner zweier kastrierter Katzer und einer (regelmäßig meist nur zum Fressen erscheinenden) sterilisierten Katzen-Dame natürlich in Erklärungsnot. Schließlich macht das Freigänger-Trio seine Geschäfte mit Vorliebe nicht in unserem, sondern der Nachbarn Vorgärten …

Zaghafte Widerworte wage ich dennoch: Während Hunde Herrchens Willen und brav der Leine folgen, entziehen sich Stubentiger jeder Art von Dressur. Oder haben Sie jemals jemanden mit seiner Katze Gassi gehen sehen?

Ich nicht …

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

Oscar-Kolumne: Gaaaanz großes Kino!

Auf die 2012er „Bambis“ macht niemand mehr Jagd. Die „Goldene Hennen“? Danach kräht kein Hahn mehr. Auch die „Bären“ sind erlegt. Nur noch die goldigen Jungs, die „Oscars“ stehen aus. Bis Sonntag …

Ich bin kein Cineast, halte mich auch nicht dafür. Im Gegensatz zu anderen Schreiber- und sonstigen Medien-Sonderlingen. Trotzdem würde ich gern einen Preis vergeben. Mit gewisser Logik und bezogen auf meine publizistische Bütt, halt einen „Oscar am Freitag“: Für „Uwe Walther in Fahrt“.

Deshalb, weil der Landratskandidat der SPD Originelles wagt, eine Videoserie zur 2012er Kommunalwahl veröffentlicht. Das ist neu, kreativ, sehenswert.

Zum einen sind es keine verwackelten Privatfilmchen à la „Omas 65. Geburtstag“. Dafür legte ein Profi Hand an, der sonst fürs „Thüringen Journal“ arbeitet.

Zum anderen: Da wurde richtig Gehirnschmalz investiert. In vier thematischen Filmen – drei weitere soll es geben – von maximal zwei Minuten Länge gibt Walther Auskunft, wer er ist und was er will.[1]

Dabei löffelt er die Suppe aus, die er sich selbst einbrockte. Redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: Nicht staatstragend. Meist verständlich. Manchmal etwas ums Eck.

Ein glückliches Händchen hatte es da, das Sonntagskind. Denn an eben einem solchen Tag Anfang Juli vor 50 Jahren tat Walther seinen ersten Brüller.

Apropos: Zum Brüllen komisch fanden Netznomaden eine Parodie seines Wahlspots „Landkreis Bewegen!“ Kaum war der online, hatte ein Kreativling mit nicht nur feiner Ironie den Clip in die digitale Mangel genommen.[2] Es ehrt Walther, dass er dies mit Humor nahm. Aber selten war ein Herausforderer so herausfordernd.

Da halten sich andere bedeckt: Von Konrad Gießmann gibt es auch so etwas wie ein Video – eine Reihe offizieller Fotos von Landratsterminen.[3] Seine Wahlhelfer kündigten aber an, dass es nach offiziellem Wahlkampagnen-Auftakt am 7. März heißt: „Das Imperium schlägt zurück“ -  um im Kino-Slang zu bleiben. Gießmanns Homepage hingegen ist informativ. Sein Team sammelt fleißig Fürsprecher, die sich dort und auf Facebook finden.

Die anderen derzeit bekannten Aspiranten auf den begehrten Stuhl in Gothas 18.-März-Straße 50 sollten zulegen: Von Steffen Fuchs (Bündnis 90/Die Grünen) ist außer knappen Zwischenrufen in Gothas Facebook-Gruppen bisher kaum etwas zu vernehmen. Gut, schließlich wurde der Schatzmeister des Kreisverbandes erst am 23. Februar offizieller Kandidat. Bemerkenswert allemal: SPD und Grüne sind im Kreistag eine Fraktionsgemeinschaft. In Sachen Landratswahl macht aber jeder sein Ding.

Da ist die FDP konsequenter: Deren Kreisräte Torsten Köhler-Hohlfeld und Jürgen Ehrlich fanden sich jetzt zur Fraktionsgemeinschaft mit der CDU. Kreisvorsitzender Köhler-Hohlfeld begründete dies so: Man wolle das bürgerliche Lager stärken und um „einen Landrat der SPD zu verhindern“, verzichtete man auf einen eigenen Kandidaten (TA, Lokalausgabe Gotha, 3. Februar).

Der parteilose Ottokar Luhn geht für DIE LINKE ins Rennen. Der 59-jährige war bis 1996 Fuhrunternehmer. Er hatte dann diverse Jobs, ist nun arbeitslos. Seine politischen Ansichten gibt er als Chefredakteur der Online-Zeitung „Artikel Eins“ preis.[5]

Der Name bezieht sich auf den ersten Satz des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das hindert den NVA-Oberstleutnant a. D. nicht, Bundeskanzler a. D. Gerhard Schröder, Wolfgang Clement (SPD), Ex-VW-Personalvorstand Peter Hartz, Thilo Sarrazin, den Chemnitzer Finanzwissenschaftler Prof. Dr. Friedrich Thießen oder den Publizisten Prof. Gunnar Heinsohn als „Volksfeinde“ zu verunglimpfen. Das ist „Lingua Tertii Imperii“ – Sprache des Dritten Reiches. Vom Kandidaten der LINKEN, der Partei, die sich in der Tradition der Antifaschisten sieht? Victor Klemperer rotiert im Grab …

(Kolumne für “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, erschienen am 24. Ferbuar 2012)

Spuren einer “Brandstiftung”

Ganz neu die Welt entdeckt. Das haben Schülerinnen und Schüler der Gothaer „Conrad Ekhof“-Schule. Was ihrer Fantasie entsprang und wie sie es kreativ umsetzten, lässt sich – zu Teilen – seit Donnerstag in der Raiffeisenbank Gotha bewundern. Die Collagen, Grafiken, Bilder, Drucke und Skulpturen sind bis Ende Oktober zu sehen.

Astrid Marold ist eine Brandstifterin. Eine, von der es nicht genug geben kann. Sie befeuert die Fantasie ihrer Schüler. Bläst so lange in die Glut, bis die Flammen der Kreativität züngeln. Schon zwanzig Jahre tut sie das. Und wirkt so gar nicht ausgebrannt. Das ist ihr Geheimnis, ihre Gabe. So inspiriert die Kunsterzieherin zu künstlerischen Höhenflügen: Schüler der 5. Klasse schufen bei ihrer „Entdeckungsreise in die Steinzeit“ erstaunliche Tonarbeiten. Neuntklässler wie Celine Geißler, Sarah Göring und Luisa Hunger erleben „Verwandlungen“, wenn sie von ihren Gesichtern Gipsmasken abnehmen und sie dann bemalen. Einen Tribut, eine eigene Sicht auf die Moderne ist zu sehen. Hundertwasser darf natürlich auch nicht fehlen.

Kurz; Marolds Inspirationskraft  erstaunt. Und ist genre-übergreifend. Denn die neue Ausstellung in der RaiBa „Junge Künstler entdecken die Welt“ begann nicht einfach: Sie wurde in Szene gesetzt. Zunächst okkupierten dafür Linde und Laura Joost sowie Phillip Parche kurzerhand die Lobby für ihren getanzten Traum zur „Nacht“. Der gehört zu den „Vier Tageszeiten“; einem Stück, einstudiert in ihrem Schulfach „Darstellen und Gestalten“.

Ohne sich vom geschäftigem Treiben beeindrucken zu lassen, entführten sie in eine Fantasiewelt. Das war surreal! Während manch Bankkunde stoisch dem Schalter zusteuerte, wichen andere irritiert aus. Einige aber schauten zu; erstaunt, begeistert. Ein junger Mann bannte die kurze Szene aufs Handy, bedankte sich gar beim Gehen …

Man spürt, Astrid Marold nimmt sich Zeit. Bei ihren Schülern. Auch beim Erstkontakt in der Bank. Da sprach sie nicht nur das Wie und Wann ab. Sie erkundete auch ausgiebig jenen Ort, an dem die Werke ihrer Eleven zu sehen sein sollten. Dessen Dimensionen, das Spiel von Licht und Schatten – all das ergründete sie. Mit überwältigendem Ergebnis: Denn es ist keine simple Ausstellung. Es ist eine Installation. Selten fügten sich die Bilder, die Arbeiten in den Vitrinen, die gerahmten und ungerahmten Schau-Stücke so harmonisch ins Ganze. Selten stachen sie so ins Auge. waren so präsent.

Das begeistert: Die RaiBa-Belegschaft, die schnell mit den jungen Künstlern ins Gespräch kam. Auch Ursula Kleemann. Nicht zufällig war die Referentin für Regelschulen im Schulamt da. Manuela Heimlich sowieso, weil die stellvertretende Schulleiterin sichtlich weiß, welche pädagogische Perle sie mit Astrid Marold im Kollegium hat. Sie schätzt auch die guten Bande, die Schulförderverein und  Genossenschaftsbank knüpften. Letztere gewährt manch finanzielle Unterstützung, bringt Praxis in den Unterricht. Dafür revanchierte man sich jetzt kreativ: „Genau das macht Kooperation aus, dass man gibt – und dafür dann auch bekommt“, beschrieb Manuela Heimlich das verbindende Moment, das echte Partnerschaft ausmacht.

Dafür scheint dann auch kein Aufwand zu groß; selbst wenn wegen der Aktion in der Raiba fast alle Werke neu gerahmt werden mussten. Und fürs letzte Quäntchen Perfektion schlug auch Linda Staffel ihrer Höhenangst ein Schnippchen. Eben erst das Studium in Erfurt beendet, wagte sich Marolds junge Kollegin in luftige Höhen. Richtete beim Aufbau das Seilsystem, mit dem die Bilder und Grafiken auf Augen-Kontakt gebracht werden.

Mehr Bilder hier: http://url9.de/fzK

(Beitrag, geschrieben für die Raiffeisenbank Gotha eG)

Oscar-Kolumne: Alles für die Katz’ (31. Oktober 2008)

So ein Schreihals! Kümmert man sich mal fünf Minuten nicht um sie, dann bläkt sie zum Steinerweichen: Elli, 12 Wochen altes Katzen-Mädchen. Rotfellig und daher so selten wie offensichtlich auch eigensinnig. Bis gestern 16.30 Uhr unfreiwillige Bewohnerin des Gothaer Tierheims. Mit drei Geschwistern Heim-Kind geworden, weil das bisherige Zuhause “aufgelöst” wurde. Die alte Dame, die der Katzenfamilie Obdach, Futter und sicher auch viel Liebe gewährte, musste ins Pflegeheim. Jetzt also ist Madame dem Aschenbrenner-Clan angehörig.

Mit allen Folgen.

Zunächst den angenehmen: Tapsig, neugierig, so süüüüüüüüüüüß.

Beide Mädels kriegten sich gestern Abend am Telefon fast nicht mehr ein. Noch ein Grund mehr, ab und an nach Hause zu kommen.

Elli erkundete binnen weniger Stunden alle vier Etagen des Hauses. Mein Büro ist ihr immer noch am wenigstens sympathisch, auch wenn sie zwischendurch immer mal auf meinem Schoß geruht zu ruhen oder meinen Schreibtisch verwüstet. Liegt halt jede Menge Papier herum, was so wunderbar raschelt. Miss Moneypenny, meine nette Brachypelma albopilosum oder Kraushaar-Vogelspinne, interessiert sie hingegen nicht die Kralle. Die vier Heuschrecken aber, die in ihrer Plaste-Dose fröhlich auf und nieder hüpfen und im Wochenrhythmus nach und nach der achtbeinigen Grazie als Beute und Futter dienen, faszinieren deutlich mehr.

Zum A-Team gehören ja schon zwei Katzeks: der getigerte ältere Willi, auch auf den Namen “Stubenschwuchtel” hörend, und Louis, der dreijährige rote Kater.

Während Willi weitestgehend die Rotfell-Wuseleline ignoriert, dafür aber zweimal Protest-Kackhaufen auf der Treppe zum Büro ablud, hat Louis offensichtlich ein erhebliches Problem: Er faucht die zwei Handvoll Katze ausnahmslos immer an, alsbald er ihrer ansichtig wird. Und er geht seit gestern fremd. Richtig ausdauernd. Üblicherweise holt er sich ja immer Leckereien und Streicheleinheiten in der Nachbarschaft, ist rotzfrech schon fast in jeder Küche und jedem Schlafzimmer gewesen. Der Bursche ist fix – da braucht eine Terrassentür nur einen Moment offen stehen, schon hat er sich selbst eingeladen.

Mit einer Ausnahme: Um das Grundstück des besonderen Menschen-Freundes zwei Häuser weiter östlich macht auch Louis einen größeren Bogen. Aber den kann ja hier wohl niemand leiden. Er mag uns ja auch alle nicht. Vor allem hasst er Kinder, für ihn “Dreckszeug”. Was für’n armes Schwein…

Louis jedenfalls streunt jetzt anhaltend auswärts. Da mache ich mir erst einmal keine Sorgen. Rothäute sind eben Sensibelchen. Wie ich auch eines bin; man glaubt mir Skorpion das bloß nicht…

Aber zurück zu Elli. Auch deshalb, weil ich erst einmal schauen muss, was sie treibt. Man hört sie nämlich nicht. Wie bei Kindern immer ein Zeichen, dass sie Unfug ausheckt. Moment…

Gut; kein Grund zur Aufregung. Das Mädel hat bloß entdeckt, dass das Seramis in den Blumenkübeln meines Weibes prima zum Buddeln geeignet ist und obendrein die feinere Katzentoilette. Ich erleide dies mit stoischer Ruhe – und einem Grinsen, dass allerhöchstens von dem diabolischen Ausdruck übertroffen werden würde, den Jack Nicholson drauf hat. Schließlich soll sich auch Tina daran erfreuen, dass wir jetzt ENDLICH, ENDLICH eine rote KATZE haben. Das war ja schon lange ihr Trachten. Nu’ hab’ obendrein ich geholfen, dass sich ihr Wunsch erfüllt …

Tischlers Meister-Elf mit Biss

„Wir haben heute Samstag, falls das einem nicht gewärtig ist …“, frotzelt Rüdiger Treihse, um die Spannung noch zu steigern. Seine Tischlermeister-Elf steht in „Hab acht“-Stellung, wartet ungeduldig auf die Verkündung der Prüfungsergebnisse. Aber man grinst auch brav zu den Späßchen, die sich der Leiter der Staatlichen Gewerb-lich-Technischen Berufsbildende Schulen Gotha erlaubt. Wissen die Burschen doch, dass sie sich bald bei ihm revanchieren.

Zwei Jahre Meisterkurs liegen hinter ihnen. „Eine anstrengende Zeit des Ausprobierens, des Versuchens und des Verwerfens“, wie Treihse erinnert. „Sie haben sich durchgekämpft – und durchgehalten.“ So sind die elf Tischler zugleich die ersten Absolventen der Gothaer Schule nach der 2008 neu erlassenen Meisterprüfungsverordnung. Nicht mehr in einzelnen Fächern, sondern in vier Handlungsfeldern erfolgte die Qualifizierung.

Drei der elf hatten alle Hürden genommen – zuletzt die Präsentation des Meisterstücks – und bekamen deshalb gleich den begehrten Brief. „Die anderen acht schaffen ’s aber auch“, beruhigt Katrin Treihse, die Lehrgangsleiterin. Alle hätten viel investiert: Zeit, Geduld, Nerven. Und nicht zuletzt auch Geld. Einen hohen fünfstelligen Betrag, so schätzt zumindest das nagelneue Meister-Trio Andreas Heß, Stephan Beck und Matthias Schmerbauch.

Der Tabarzer Heß konnte es gar nicht erwarten, endlich die Strapazen vergolten zu bekommen. Mit den Worten „Ich halt ’s nicht mehr aus …“ stürmte er auf Treihse zu, um ihm seinen Meisterbrief förmlich aus der Hand zu reißen. Der 1987 geborene Andreas war sich seiner Sache schon vorm Prüfungs-Samstag absolut sicher, „weil ich es drauf habe“ und setzt jetzt in vierter Generation die familiäre Handwerkstradition fort. Ein Kompaktkomfort-Waschplatz war sein Meisterstück. Den Waschtisch fertigte er aus dem “Wundermaterial” Hi-Macs. Das ist nicht nur unkaputtbar, sondern zudem ausgesprochen reinigungsfreundlich. Es bleibt kaum etwas an dem mineralischen Werkstoff haften, aus dem sonst Küchenarbeitsplätze oder Krankenhauseinrichtungen gebaut werden. Weitere Schmankerl am Heß-Minibad, das demnächst seine Wohnung zieren wird, waren eine versteckte Schublade sowie gebogte – im Laien-Deutsch: gewölbte – Koffertüren ohne Griffe („Die stören bloß die Optik.“), die auf sanften Druck den Zugang zu jeder Menge Stauraum öffneten.

Stephan Beck war als Ältester (Jahrgang 1982) und zudem Seiteneinsteiger der Exot in der Meister-Elf: Ohne familiäre „Vorbelastung“ hatte er sich für den Beruf des Tischlers und – relativ spät – für den Meisterkurs entschieden. Jetzt will er sich selbstständig machen. Für seine Hauseingangstür erweckte er eine alte Fügetechnik – den Doppelzapfenverbund – zu neuem Leben. Die und die penible Verarbeitung fand das Wohlwollen der Prüfungskommission.

Dritter im Meister-Bunde: Matthias Schmerbauch. Der 1985 geborene Eichsfelder hatte bereits – mit Ausnahmeerlaubnis der Handwerkskammer – drei Jahre Verantwortung im elterlichen Betrieb in Westhausen übernommen: Matthias’ Vater war so schwer erkrankt, dass er nicht mehr weiterarbeiten konnte. Mit Mutter Annette schulterte der junge Mann diese nicht zu unterschätzende Last für den seit drei Generationen bestehenden Handwerksbetrieb und dessen Beschäftigte.

Seine schlicht anmutende Hauseingangstür hatte es faustdick hinterm Griff. Der wird bald bis zu 99 Personen schlüssellosen Zugang zum Büro gewähren. Den regelt ein wärmeempfindlicher Sensor, der Fingerabdrücke optisch auslesen kann. Bis zu acht verschiedene Finger pro Person werden abgespeichert: „Deshalb, weil man ja mal eine Verletzung, die Hand im Gips oder den Finger im Pflaster haben kann“, erklärt der Tüftler den sensorischen „Sesam öffne Dich“. Das System funktioniert ohne PC – bei Stromausfall kommt allerdings der gute alte Schlüssel zum Einsatz.

Die Tischler-Meisterklasse war voll des Lobes für die hervorragende Ausbildung in Gotha. Einstimmig hoben sie die Kompetenz der Schau- und sonstigen Lehrmeister hervor, dass die technische Ausrüstung auf dem neuesten Stand der Technik wäre und nannten auch das besonders aufmerksame, familiäre Klima. Als Dankeschön bekam Schulleiter Rüdiger Treihse einen pflanzlichen Doppelgänger. „Rüdiger, die japanische Zierkirsche“ ähnele dem Original immens, fanden die Burschen: Das Bäumchen sei rank und schlank wie er. Obendrein blühe es weiß und erinnere so ans graumelierte Kopfhaar des Berufsschulleiters.

(Artikel für die “Deutsche HandwerksZeitung“, im Auftrag der Handwerkskammer Erfurt)

2. Gothaer “St. Florianstag” mit echtem Heiligen

St. Florian und Petrus scheinen keine Freunde. Schon bei der Premiere des „St. Florians-Tages“ im vorigen Jahr zeigte der Himmelswächter den Gothaern die kalte Schulter. 2011 sorgte er zwischendurch gar für zusätzliches Löschwasser. Doch solche Fisematenten beeindruckten niemanden. Vorsorglich hatten die Brandschützer Zelte aufgebaut, unter denen sich goth’sches Volk flüchtete, wenn sich kurzzeitig die Himmelschleusen öffneten.

Das es was zu Schauen und zu Staunen auf dem Neumarkt gab, hatte sich herumgesprochen. Deutlich mehr Zaungäste als im Vorjahr kamen; wuselten zwischen den Feuerlöschern herum, darunter auch wieder viele Kinder. Die sind ja sowieso immer begeistert, wenn es ums Tatütata geht.

Mal selber mit Feuerwehrmann zu sein, reizte auch Fabio Genova. Der Fünfjährige absolvierte so energisch wie ernsthaft die Hindernisstrecke.
Die nimmt sonst der Feuerwehr-Nachwuchs wie Monique, Jennifer und Florian (da sieh einer an!) unter die Stiefel. Die elfjährige Monique aus der Oststadtschule ist das einzige Mädel in ihrer Klasse mit diesem besonderen Hobby. Zu dem war sie vor eineinhalb Jahren dank ihrer Mama gekommen: „Sie wollte, dass ich selbstständiger werde“, erzählte der kecke Blondschopf. Zwar konnte sie ihren gleichaltrigen Freund Roman noch nicht überzeugen, mitzumachen. Aber was nicht ist, könne ja noch werden, meinte sie verschmitzt und enterte mit großer Begeisterung die Drehleiter fürs Foto. Weiterlesen