Das Wort zum MUTwoch: Vögeleien

Ich fabulierte jüngst hier über meine O(h)rgasmen. Dieses „Wort zum MUTwoch“ schlug wehwehweh-weit Wellen. Mich erreichte manch kecker, manch kühner Kommentar – und nicht nur von nachtwandelnden Nachbarn. Allein, die Beschreibung meiner Lauschleiden war unvollständig, wie es mir hernach quasi wie Federn vom Face fiel. Hatte ich doch glatt die lausige Vögelei vergessen.

Gemach! Ich sehe förmlich, wie Augenbrauen auf Himmelfahrt gehen! Doch keine Sorge: Weder die Mönchelsstraßen-Moral noch jene des „Thüringen-Reporters“ gerät ins Wanken. Nicht direkt und durch mich und keinesfalls heute. Denn die durchaus erotische Version des Hitchcock-Knallers „Das Fenster zum Hof“ bleibt für ein anderes Mal aufgespart. Wobei es sich dabei nicht um ein „Rear Window“ wie im Originaltitel handelt. Vielmehr öffnete sich mitten in Gotha ein „Straßenblick“ der galanten Art …

Heute hingegen dreht sich alles tatsächlich um die Vögelei, weil um eine Amsel. Die pfeift seit Wochen und aller Wahrscheinlichkeit nicht mir hinterher. Dies tut der gefiederte Freund ausdauernd und lautstark. Er fängt damit an, wenn es dem Morgen graut. Und er pflegt den täglichen Abgesang nicht nur im Abendrot.

Selbst mir, der sich mit Vögeln nicht auskennt, wurde alsbald klar, dass es ein Amselmann, also ein Amselrich ist: Klavierlackschwarz sein Gefieder, orange der große Schnabel. Und Augenringe gleicher Farbe hat er auch.

Und ich habe den Eindruck, die werden von Tag zu Tag größer. Eine Nachbarin, die dies auch bestätigte, meinte, womöglich habe er schon einen Samenkoller. Nun, so weit reicht mein vogelkundliches Wissen nicht: Aber mir scheint, der Bursche hat ein Paarungs-Problem, weil einen Migrationshintergrund.

Wikipedias Schwarmintelligenz instruierte mich nämlich, dass mitteleuropäische Amseln im Winter nach Südeuropa oder Nordafrika ziehen. Wäre doch vorstellbar, dass ein dort beheimateter Piepmatz sich unsterblich in eine deutsche Amseline verguckt hat und ihr nun folgte, oder?

Offensichtlich ist, dass der Amselmann sein Bestes gibt, aber irgendwie nicht ans Ziel seiner sehr melodiös vorgetragenen Wünsche kommt. Scheinbar zwitschert er tschechisch oder tiriliert türkisch, flötet französisch oder balzt bulgarisch – wer weiß! Manchen Tag jedenfalls pfeift er erst mit Inbrunst, um dann abrupt zu schweigen. Ich glaube, dass er verstimmt verstummt, weil kein anmutiges Amselweib auf ihn abfährt.

Das tun hingegen unsere zwei Katzer. Die haben den Kerl quasi auf dem Kieker, weil Vorlieben für fliegende Feinschmeckereien. Kein Wunder allerdings: Meist ist der stimmgewaltige Chansonnier zwar auf den Blitzableitern und den Wolken ein Stück näher. Aber zuweilen – besoffen vor Liebe – macht er einen auf Bodenbrüter.

So auf dem Präsentierteller, weckt das selbst im mehr oder minder reinrassigen und deshalb sonst eher bissel depperten Eddi das Raubtier. Ganz zu schweigen von meinem rotfelligen KamiKatzer Louis …

Es mag daran liegen, dass ich zu oft französische Filme gucke: Da kommt es vor, dass die, die sich lieben, sich am Ende nicht lieben dürfen und deshalb in die Seine gehen.

Mir drängt sich deshalb der Verdacht auf, der Federbalg will sich vor lauter Liebeskummer in den sicheren Tod stürzen. Wie’s scheint, gibt’s keine Hoffnung. Nirgends.

Und auch Petra Heß wird wohl nicht helfen: Dabei soll doch die Thüringer Ausländerbeauftragte „Integration erleichtern und gestalten, Diskriminierung erkennen und bekämpfen und Verständnis zwischen ausländischer und deutscher Bevölkerung fördern“.

Da steht zwar kein Wort von Fremd-Vögeln. Aber auch keines dagegen …

(Mittwochs gibt es “Das Wort zum MUTwoch” im Blog vom thueringen-reporter)

Oscar-Kolumne: Alles für die Katz’ (31. Oktober 2008)

So ein Schreihals! Kümmert man sich mal fünf Minuten nicht um sie, dann bläkt sie zum Steinerweichen: Elli, 12 Wochen altes Katzen-Mädchen. Rotfellig und daher so selten wie offensichtlich auch eigensinnig. Bis gestern 16.30 Uhr unfreiwillige Bewohnerin des Gothaer Tierheims. Mit drei Geschwistern Heim-Kind geworden, weil das bisherige Zuhause “aufgelöst” wurde. Die alte Dame, die der Katzenfamilie Obdach, Futter und sicher auch viel Liebe gewährte, musste ins Pflegeheim. Jetzt also ist Madame dem Aschenbrenner-Clan angehörig.

Mit allen Folgen.

Zunächst den angenehmen: Tapsig, neugierig, so süüüüüüüüüüüß.

Beide Mädels kriegten sich gestern Abend am Telefon fast nicht mehr ein. Noch ein Grund mehr, ab und an nach Hause zu kommen.

Elli erkundete binnen weniger Stunden alle vier Etagen des Hauses. Mein Büro ist ihr immer noch am wenigstens sympathisch, auch wenn sie zwischendurch immer mal auf meinem Schoß geruht zu ruhen oder meinen Schreibtisch verwüstet. Liegt halt jede Menge Papier herum, was so wunderbar raschelt. Miss Moneypenny, meine nette Brachypelma albopilosum oder Kraushaar-Vogelspinne, interessiert sie hingegen nicht die Kralle. Die vier Heuschrecken aber, die in ihrer Plaste-Dose fröhlich auf und nieder hüpfen und im Wochenrhythmus nach und nach der achtbeinigen Grazie als Beute und Futter dienen, faszinieren deutlich mehr.

Zum A-Team gehören ja schon zwei Katzeks: der getigerte ältere Willi, auch auf den Namen “Stubenschwuchtel” hörend, und Louis, der dreijährige rote Kater.

Während Willi weitestgehend die Rotfell-Wuseleline ignoriert, dafür aber zweimal Protest-Kackhaufen auf der Treppe zum Büro ablud, hat Louis offensichtlich ein erhebliches Problem: Er faucht die zwei Handvoll Katze ausnahmslos immer an, alsbald er ihrer ansichtig wird. Und er geht seit gestern fremd. Richtig ausdauernd. Üblicherweise holt er sich ja immer Leckereien und Streicheleinheiten in der Nachbarschaft, ist rotzfrech schon fast in jeder Küche und jedem Schlafzimmer gewesen. Der Bursche ist fix – da braucht eine Terrassentür nur einen Moment offen stehen, schon hat er sich selbst eingeladen.

Mit einer Ausnahme: Um das Grundstück des besonderen Menschen-Freundes zwei Häuser weiter östlich macht auch Louis einen größeren Bogen. Aber den kann ja hier wohl niemand leiden. Er mag uns ja auch alle nicht. Vor allem hasst er Kinder, für ihn “Dreckszeug”. Was für’n armes Schwein…

Louis jedenfalls streunt jetzt anhaltend auswärts. Da mache ich mir erst einmal keine Sorgen. Rothäute sind eben Sensibelchen. Wie ich auch eines bin; man glaubt mir Skorpion das bloß nicht…

Aber zurück zu Elli. Auch deshalb, weil ich erst einmal schauen muss, was sie treibt. Man hört sie nämlich nicht. Wie bei Kindern immer ein Zeichen, dass sie Unfug ausheckt. Moment…

Gut; kein Grund zur Aufregung. Das Mädel hat bloß entdeckt, dass das Seramis in den Blumenkübeln meines Weibes prima zum Buddeln geeignet ist und obendrein die feinere Katzentoilette. Ich erleide dies mit stoischer Ruhe – und einem Grinsen, dass allerhöchstens von dem diabolischen Ausdruck übertroffen werden würde, den Jack Nicholson drauf hat. Schließlich soll sich auch Tina daran erfreuen, dass wir jetzt ENDLICH, ENDLICH eine rote KATZE haben. Das war ja schon lange ihr Trachten. Nu’ hab’ obendrein ich geholfen, dass sich ihr Wunsch erfüllt …

Katzenjammer (TA-Tagebuch vom 6. August 2008)

Ich habe es schon immer geahnt; ich unterschätze die Gefahren, die von Rothäuten ausgehen. Meine, jener Kater, der auf den schönen Namen “Louis” hört, sprang gestern, während ich schreibtischlerte, auf meine Wort-Drechselbank und fläzte sich quer über die Tastatur. Wutsch, war mein unfertiger, weil eben noch in Arbeit befindlicher TA-Tagebucheintrag futsch. Seite zu, Text fort.

Dachte ich.

Vorhin erfasste mich das blanke Entsetzen: Das Rudiment hatte trotzdem seinen Weg in den öffentlichen Tagebuch-Raum gefunden. Ob jetzt Menschen von mir meinen, ich sei Legastheniker oder zumindest sprachgestört?

Wie dem auch sei, jetzt ist die Schmach getilgt und der Text überarbeitet.

Louis aber schon wieder hier. Mein Büro ist nämlich der kühlste Ort im Haus – die Nordlage macht’s und der steinerne Fußboden. Ein guter Ort zum Arbeiten – und nicht nur an solch heißen Tagen.

Ich frage mich, wie es die Katzeks in ihrem dicken Fell nur aushalten? Manchmal schmeißen sich Louis und sein älterer Kater-Kollege Willi (welcher meinem Weibe gehört und der von ihr liebevoll “Stubenschwuchtel” geheißen wird, was aber nicht diskriminierend gemeint ist, aber seine grundsätzlich schwule Lebenshaltung trefflich charakterisiert) sogar auf den heißen Terrassenboden und dösen in der glühendsten Sonne…

Das müsste man mal am eigenen Leib erleben können: Diese Vision treibt mich eh seit Jahren um – einmal mit meinem Kater den Körper tauschen zu können. Was für ein Gedanke! Ich finde ihn allemal inspirierender als jene Geschichten, bei denen das Midlife-krisengeschüttelten Müttern und deren pubertierenden und zickenden Töchtern widerfährt.

Wenn frau “Feuchtgebiete” beschreibt und damit einen Bestseller landet, warum sollte dann aus der “aus der Haut und in das Fell fahren”-Geschichte nicht auch ein Hitparaden-Stürmer werden?

Oscar-Kolumne: Kinder los (21. 08. 2006)

Jetzt passiert’s. Ich vereinsame!

Erst entschwindet voriges Jahr mein Greta-Kind nach Garmisch-Partenkirchen zwecks Ausbildung zur Hotelfachfrau. Und nun sagt auch die große Tochter, die eigentlich die kleinere, wohl aber die ältere von beiden ist, „Adieu!“. Das Abi in der Tasche, zieht es sie als Au pair nach Fronkreisch, Fronkreisch…

Gut tun die beiden daran! Abgenabelt und die Welt erkundet! So sind Töchter, Gott sei Dank. Nix von wegen „Hotel Mama“! Wie sagte Dresdens Ex-OB Wolfgang Berghofer im wirbligen Wendewunder-Herbst 1989: „ Weltanschauung kommt von Welt anschauen …“ Wie ich sie beneide!

Andererseits: Wünschte man sich früher bei all dem Trubel in der Hütte zum Feierabend ein stilles Plätzchen, so kommt man heute nach Hause … und die Bude ist leer. Das war ein paar Tage ganz nett. Aber jetzt? Schrecklich!

Dabei hatte ich vor gar nicht langer Zeit noch die große Klappe: Sind die Kinder erst aus dem Haus, dann fangen die tollen Jahre an …

Na ja, das Heim ist ja auch nur fast leer. Denn unsere Katzen-Rasselbande ist meist mehr oder minder vollzählig anwesend. Der geneigten „Oscar“-Leserschaft nicht unbekannt ist, dass meinereiner sein Zuhause mit Samtpfötchen teilt. Als gelegentlich davon die Schreibe war, handelte es sich noch um ein Trio. Inzwischen ist ’s eine Viererbande.

Mein damals noch vereinter flotter Weibs-Dreier hat mich nämlich überrumpelt: Im Haushalt der Schwägerin gab ’s vor Jahresfrist kätzischen Nachwuchs, zu allem Überfluss rothaarigen. Der hatte uns gerade noch gefehlt, denn solch fuchsfellige Katzen machen die Gemahlin richtig kirre.

Und so kam es, wie es kommen musste: Als eines dieser rotwuscheligen Faustvoll mauzend in meine Richtung tapste, war ’s selbst um mich geschehen …

Wenn andere Leute einen Vogel haben, so hat bei Aschenbrenners eben jeder eine, jeder seine Katze. Tina liebt ihren Willi abgöttisch. Der teilt nicht nur morgens mit ihr den Stuhl beim gemeinsamem Frühstück und der obligaten Zeitungslektüre. Ihm ist tierärztlich attestiert, dass er schwul ist. So wird der Senior der Katzenbande auch gern „Stubenschwuchtel“ genannt.

Zu Greta gehört Rudi, der stets und ständig mauzt und miaut und demnach ein KommuniKater ist.

Ein Herz und eine Seele sind Anne und die Katze Kira, die ein bisschen English Tabby in sich und deshalb eine gewisse Grundarroganz hat, einst übergewichtig war und deshalb „Fellschwein“ benamt wurde.

Und ich habe eben seither einen roten Kater namens Louis.

Heute weiß ich: Neben weiblicher List und Tücke handelte es sich bei dieser schnurrend-schnurrigen Familienerweiterung um weitsichtige Prophylaxe. Denn – ich geb’ es ja zu – ich rede mit den Stubentigern.

Na und? Erstens widersprechen sie nicht. Zweitens ist es kostengünstiger als Dauertelefonate mit den Töchtern. Und drittens kann ich – wenn mein werktätig’ Weib meist spät abends von ihrer Bad-Langensalza-Tournee heimkehrt – ihr voll und ganz meine Aufmerksamkeit und mein Ohr leihen, bin also der ideale Zuhörer. Möglicherweise auch eine Erklärung dafür, warum sie so tadellos einparken kann …

Mir wird außerdem inzwischen größere Gelassenheit bescheinigt, was angesichts meines zuweilen überbordenden skorpionischen Temperaments ausgesprochen wohltuend für die Umwelt sein muss.

Wie man sieht: Diese ganz spezifische Aschenbrennersche Mensch-Tier-Symbiose hat allseits positive Wirkungen. Tja, man sagt ja nicht ohne Grund: Katze im Haus ersetzt den Psychiater …

Und trotzdem ist ’s gar nicht so leicht, jetzt, da die Kinder so gut wie fort sind. Jüngst, bei der Zahnärztin meines Vertrauens, kam ich ganz zufällig darauf zu sprechen. Und siehe da: Auch Schwester Petra teilt mein Schicksal.

Was also tun? Wir könnten eine Selbsthilfegruppe aufmachen. Oder ich einen Katzenverleih …