“Oscar”-Kolumne: Abschiede

Fünf vor 12. Da weckte mich am Silvesterabend mein Weib. Sonst hätte ich zum zweiten Mal in Folge den Jahreswechsel verpennt. Und noch ehe ich mich gänzlich aus Morpheus’ Armen befreien konnte, knallten auch schon die Korken und Raketen illuminierten Gothas Silvester-Himmel. „Rumms!“ war 2009 vorbei, das GröKriJaz – das „größte Krisenjahr aller Zeiten“.

Ebenso Knall auf Fall hatte sich Wochen zuvor Sergej Lochthofen von der „Thüringer Allgemeinen“ verabschieden müssen. Dazu wurde viel gesagt und noch mehr geschrieben. Jetzt herrschen bei der TA Raue-Zeiten. Vor 20 Jahren kam jener Paul-Josef schon einmal auf Kurz-Visite nach Thüringen, gründete damals die „Eisenacher Presse“, der allerdings kein langes Leben beschieden war. Aber Geschichte, so sagt man ja, könne sich nicht wiederholen… Weiterlesen

Katzenjammer (TA-Tagebuch vom 6. August 2008)

Ich habe es schon immer geahnt; ich unterschätze die Gefahren, die von Rothäuten ausgehen. Meine, jener Kater, der auf den schönen Namen “Louis” hört, sprang gestern, während ich schreibtischlerte, auf meine Wort-Drechselbank und fläzte sich quer über die Tastatur. Wutsch, war mein unfertiger, weil eben noch in Arbeit befindlicher TA-Tagebucheintrag futsch. Seite zu, Text fort.

Dachte ich.

Vorhin erfasste mich das blanke Entsetzen: Das Rudiment hatte trotzdem seinen Weg in den öffentlichen Tagebuch-Raum gefunden. Ob jetzt Menschen von mir meinen, ich sei Legastheniker oder zumindest sprachgestört?

Wie dem auch sei, jetzt ist die Schmach getilgt und der Text überarbeitet.

Louis aber schon wieder hier. Mein Büro ist nämlich der kühlste Ort im Haus – die Nordlage macht’s und der steinerne Fußboden. Ein guter Ort zum Arbeiten – und nicht nur an solch heißen Tagen.

Ich frage mich, wie es die Katzeks in ihrem dicken Fell nur aushalten? Manchmal schmeißen sich Louis und sein älterer Kater-Kollege Willi (welcher meinem Weibe gehört und der von ihr liebevoll “Stubenschwuchtel” geheißen wird, was aber nicht diskriminierend gemeint ist, aber seine grundsätzlich schwule Lebenshaltung trefflich charakterisiert) sogar auf den heißen Terrassenboden und dösen in der glühendsten Sonne…

Das müsste man mal am eigenen Leib erleben können: Diese Vision treibt mich eh seit Jahren um – einmal mit meinem Kater den Körper tauschen zu können. Was für ein Gedanke! Ich finde ihn allemal inspirierender als jene Geschichten, bei denen das Midlife-krisengeschüttelten Müttern und deren pubertierenden und zickenden Töchtern widerfährt.

Wenn frau “Feuchtgebiete” beschreibt und damit einen Bestseller landet, warum sollte dann aus der “aus der Haut und in das Fell fahren”-Geschichte nicht auch ein Hitparaden-Stürmer werden?

Oscar-Kolumne: Kinder los (21. 08. 2006)

Jetzt passiert’s. Ich vereinsame!

Erst entschwindet voriges Jahr mein Greta-Kind nach Garmisch-Partenkirchen zwecks Ausbildung zur Hotelfachfrau. Und nun sagt auch die große Tochter, die eigentlich die kleinere, wohl aber die ältere von beiden ist, „Adieu!“. Das Abi in der Tasche, zieht es sie als Au pair nach Fronkreisch, Fronkreisch…

Gut tun die beiden daran! Abgenabelt und die Welt erkundet! So sind Töchter, Gott sei Dank. Nix von wegen „Hotel Mama“! Wie sagte Dresdens Ex-OB Wolfgang Berghofer im wirbligen Wendewunder-Herbst 1989: „ Weltanschauung kommt von Welt anschauen …“ Wie ich sie beneide!

Andererseits: Wünschte man sich früher bei all dem Trubel in der Hütte zum Feierabend ein stilles Plätzchen, so kommt man heute nach Hause … und die Bude ist leer. Das war ein paar Tage ganz nett. Aber jetzt? Schrecklich!

Dabei hatte ich vor gar nicht langer Zeit noch die große Klappe: Sind die Kinder erst aus dem Haus, dann fangen die tollen Jahre an …

Na ja, das Heim ist ja auch nur fast leer. Denn unsere Katzen-Rasselbande ist meist mehr oder minder vollzählig anwesend. Der geneigten „Oscar“-Leserschaft nicht unbekannt ist, dass meinereiner sein Zuhause mit Samtpfötchen teilt. Als gelegentlich davon die Schreibe war, handelte es sich noch um ein Trio. Inzwischen ist ’s eine Viererbande.

Mein damals noch vereinter flotter Weibs-Dreier hat mich nämlich überrumpelt: Im Haushalt der Schwägerin gab ’s vor Jahresfrist kätzischen Nachwuchs, zu allem Überfluss rothaarigen. Der hatte uns gerade noch gefehlt, denn solch fuchsfellige Katzen machen die Gemahlin richtig kirre.

Und so kam es, wie es kommen musste: Als eines dieser rotwuscheligen Faustvoll mauzend in meine Richtung tapste, war ’s selbst um mich geschehen …

Wenn andere Leute einen Vogel haben, so hat bei Aschenbrenners eben jeder eine, jeder seine Katze. Tina liebt ihren Willi abgöttisch. Der teilt nicht nur morgens mit ihr den Stuhl beim gemeinsamem Frühstück und der obligaten Zeitungslektüre. Ihm ist tierärztlich attestiert, dass er schwul ist. So wird der Senior der Katzenbande auch gern „Stubenschwuchtel“ genannt.

Zu Greta gehört Rudi, der stets und ständig mauzt und miaut und demnach ein KommuniKater ist.

Ein Herz und eine Seele sind Anne und die Katze Kira, die ein bisschen English Tabby in sich und deshalb eine gewisse Grundarroganz hat, einst übergewichtig war und deshalb „Fellschwein“ benamt wurde.

Und ich habe eben seither einen roten Kater namens Louis.

Heute weiß ich: Neben weiblicher List und Tücke handelte es sich bei dieser schnurrend-schnurrigen Familienerweiterung um weitsichtige Prophylaxe. Denn – ich geb’ es ja zu – ich rede mit den Stubentigern.

Na und? Erstens widersprechen sie nicht. Zweitens ist es kostengünstiger als Dauertelefonate mit den Töchtern. Und drittens kann ich – wenn mein werktätig’ Weib meist spät abends von ihrer Bad-Langensalza-Tournee heimkehrt – ihr voll und ganz meine Aufmerksamkeit und mein Ohr leihen, bin also der ideale Zuhörer. Möglicherweise auch eine Erklärung dafür, warum sie so tadellos einparken kann …

Mir wird außerdem inzwischen größere Gelassenheit bescheinigt, was angesichts meines zuweilen überbordenden skorpionischen Temperaments ausgesprochen wohltuend für die Umwelt sein muss.

Wie man sieht: Diese ganz spezifische Aschenbrennersche Mensch-Tier-Symbiose hat allseits positive Wirkungen. Tja, man sagt ja nicht ohne Grund: Katze im Haus ersetzt den Psychiater …

Und trotzdem ist ’s gar nicht so leicht, jetzt, da die Kinder so gut wie fort sind. Jüngst, bei der Zahnärztin meines Vertrauens, kam ich ganz zufällig darauf zu sprechen. Und siehe da: Auch Schwester Petra teilt mein Schicksal.

Was also tun? Wir könnten eine Selbsthilfegruppe aufmachen. Oder ich einen Katzenverleih …

Oscar-Kolumne: Schweinische Weihnacht! (19. 12. 2003)

Ich weiß nicht, ob Sie es wissen: Die Katze im Haus erspart den Psychiater.

Ein Beispiel: Eigentlich mochte ich Katzen. Weil sie schnurren. Und egoistisch sind. Sie lassen sich nur streicheln, wollen sie gestreichelt werden. Ich weiß, wovon ich schreibe: Ich leb’ mit drei Frauen und ebenso vielen Katzen unter einem Dach.

Dass zum Katzentrio zwei kastrierte Kater gehören und einer der beiden stockschwul ist, sei am Rande erwähnt. Denn eigentlich mag ich nun keine Stubentiger mehr. Wegen deren Haaren. An meinen Anziehsachen. Es ist eine Schweinearbeit, Klamotten katzenhaarfrei zu bekommen.

Die “Stubenschwuchtel” nun – wie mein Eheweib unseren homosexuell veranlagten Kater zu nennen pflegt – wie sein Lover Rudi tragen als gemeine deutsche Dorfkatzen Kurzfell. Haaren kaum.

Solange sie die einzigen massiv Behaarten bei Aschenbrenners waren, war die Welt in Ordnung.

Alle Irritationen des Lebens fingen auch hier durch das Hinzukommen eines weiblichen Elements an – die Katzendame Kira nämlich.

Bekannten zugelaufen, drohte ihr eine Tierheim-Karriere. Sie ward jedoch in unsere menschlich-tierisch schräge WG aufgenommen. Zumindest wegen ihrer Schönheit. Ganz viel American Tabby, ein wenig “Wissen wir nicht, was es sein könnte …” dazu. Weiches, langes Deckhaar, schwarz und grau gestromt, mit weißem Unterfell. Wunderschön!

Einziger Makel der Katzendame – sie haart. Immerzu. Allerorten.

“Sie oder ich” – diese Alternative würde nur einen Verlierer kennen. Auch den Gedanken, Fellschwein Kira mit militärischem 3-mm-Schnitt auszurüsten, verwarf ich angesichts eines drohenden Weiberaufstandes.

Ich muss mich also aktiv mit meinen Phobien befassen. Das tue ich: Deshalb erweitern wir Weihnachten den Familienkreis. Ich kann mir dann aufs Schwein gehen. Aufs Meerschwein.

Gleich zwei davon (die ebenfalls haaren sollen!) werden f. Der jüngeren Tochter zur Freude. Des geschlechtsspezifischen Ausgleichs halber werden es zwei Männchen. Die sind miteinander geselliger. Wie man weiß.

Übrigens: “Dieter” und “Bohlen” werden sie heißen, die kleinen Schweine.

Freud lässt grüßen …