“Oscar”-Kolumne: ScheinHeiligAbend

Ganz ehrlich: Mir geht der ganze Weihnachts-Trubel auf den Sack! Hoho! Dabei bin ich nicht einmal Single. Von denen bekommen angeblich zwei Drittel wegen des Boheys um den Heiligen Abend Brechreiz. Das besagte eine, bei uns Deutschen so beliebte, wie völlig überschätzte Umfrage.

So schlimm ist’s bei mir nicht. Aber Stress ist’s schon, wenn man monatelang bei jedem Gespräch mit seinen Lieben auf Signal-Wortketten wie „Ach, das ist aber hübsch …“ oder „Oh, so etwas hätte ich auch ganz gern …“ achtet. Weil zudem zunehmendes Alter abnehmende Gedächtnisleistung bedeutet, sowie „Aschenbrenner“ und „Alzheimer“ ’ne Menge Buchstaben gemeinsam haben, notiere ich mir – möglichst unbemerkt – solche Begehrlichkeiten auf meinem Schlachtplan zur Wunschbefriedigung. Und dem Einzelhandel sei Dank kann niemand den Startschuss für den kollektiven Kaufrausch verpassen: Ab Ende September holen Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner selbst solche Alltags-Aliens wie mich aus ihrem eigenen Raum-Zeit-Kontinuum. Weiterlesen

Klug-Scheißereien (11): Дед Мороз, Knecht Ruprecht und Hans Muff

Am 22. Dezember haben wir Wintersonnenwende. Das ist auch Anlass für die Nordeuropäer, das Julfest zu feiern. In altnordischen Sprachen heißt „Weihnachten“ übrigens „jul“ oder „jol“, im Finnischen „joulu“.

Das Wort „Jul“ findet man übrigens schon in einem gotischen Kalenderfragment. Aus dem aus dem sechsten oder siebenten Jahrhundert nach Christus stammt dieser „Codex Ambrosianus A“. Im Fragment wird das Ende des Oktobers und der November beschrieben. November heißt dort „Naubaimbair: fruma Jiuleis“ – was so viel wie „November: der erste Julmonat“ oder auch „November: Der Monat vor der Julzeit“ bedeuten kann. Auch das altenglische „æftera Geola“ für Januar deutet auf „Jul“ hin.

Nordeuropa ist heute auch noch Heimat für eine Gestalt, die die Menschen auf den langen Winter einschwört. Doch während der im deutschsprachigen Raum bekannte „Knecht Ruprecht“ seine Rute schwingt, um bösen Kindern den Arsch zu versohlen (Pfiui, welch Päderast!), ist die Rute den Skandinaviern hingegen ein Symbol der Fruchtbarkeit. Passend dazu gelten Nüsse als gehaltvolle, haltbare Nahrung. Jenes Nordlicht ist ein barttragender, alter Mann in langem, braunen Winterpelz mit Kapuze. Er kommt mit seinem Rentierschlitten aus Lappland und verteilt dann seine Gaben.

Ihm ähnelt das russische „Großväterchen Frost“. Der rückt allerdings immer erst zum 31. Dezember, zum Jolka-Fest, an. Das Neujahrsfest ist der Russen wichtigstes Fest im Jahreskreis. Großväterchen Frost (russ. Дед Мороз), der Tannenbaum (russ. ёлка) und Geschenke gehören zum Neujahrsfest wie die süße Snegurotschka (russ. Снегурочка – Schneemädchen oder Schneeflöckchen). Weihnachten (russ. рождество) wird in Russland dagegen erst nach dem Neujahrsfest (russ. Новый год), am 7. Januar begangen.

Wissenschaftliche Schlauberger glauben übrigens, in dem Rentier-Lenker die nordischen Götter Odin und Balder wiederzufinden. Fakt ist, dass er wohl die entscheidende Inspiration für den Coca-Cola-Weihnachtsmann war. Gestaltet hatte den nämlich 1931 der amerikanische Grafiker Haddon Sundblom, dessen Eltern skandinavische Auswanderer waren.

Der Weihnachtsmann hingegen ist eine merkwürdige Kunstfigur, die symbolisch fürs weihnachtliche Schenken vor allem in Nord-, Mittel- und Ostdeutschland und in der übrigen Welt in protestantisch geprägten Regionen steht.

Dieser übergewichtige, freundliche alte Mann mit langem weißem Bart, roter und mit weißem Pelz besetzter Kutte tauchte wohl erstmals im 19. Jahrhundert auf, was zeitgenössische Postkarten beweisen. Er bringt „braven“ Kindern in der Nacht zum 25. Dezember Geschenke, den unartigen hingegen legt er eine Rute hin. Als „Weihnachtsmann“ ist er also eher eine Kombination des gutmütigen Sankt Nikolaus und seines Gegenspielers, Knecht Ruprecht. Der wird übrigens in Bayern und Österreich „Krampus“, in der Schweiz „Schmutzli“ und im Rheinland „Hans Muff“ genannt.

(Quellen: Wiki, mein Russisch-Schulbuch, das “Lexikon der Volksweisheiten” und meine Erinnerungen)

 

Der Geschenk-Tipp: SadoMaso-Quietsche-Entchen

„Jeden Tag und jede Nacht
muss ich daran denken,
jeden Tag und jede Nacht:
Was soll ich ihr schenken,
was soll ich ihr schenken?

Alles, alles hat sie schon
Alles, alles und noch mehr,
Alles, alles hat sie schon,
Was soll ich da schenken,
Ohne sie – ohne sie zu kränken?“

Alle Jahre wieder der gleiche Schlamassel: Was schenkt man jemanden, den man seit -zig Jahren kennt, mit dem man Küche, Katzen, Bett, Kinder etc. teilt. Bei dem man manchmal schon – bevor er den Mund aufmacht! – weiß, was anschließend ‘rauskommt?

Ein SadoMaso-Quietsche-Entchen!

Der Hersteller lobpreist sie als „Sexy-Badeente mit Massageerlebnis“, die  selbstverständlich wasserdicht ist: „Ein kleiner Druck auf den Rücken und schon beginnt sein kleines Schwänzchen und der Kopf an zu vibrieren.“

Aha.

Der Hersteller – und ich auch! – übernehmen aber KEINE Garantie dafür, dass dieses Geschenk nicht der Killer, sondern der Brüller wird!

Fröhliche Weihnachten!