Klug-Scheißereien (6): E-Mail

Ich las eben, dass Twitter die nächste Schallgrenze durchbrochen haben soll: 20 Mrd. Nachrichten täglich seien demnach verschickt worden. Binnen fünf Monaten hat sich also das Aufkommen verdoppelt …

Wegen dieser Nachricht fiel mir ein, dass die E-Mail in Deutschland morgen 26. Geburtstag feiert: Am 3. August 1984 wurde in Deutschland um 10.14 MEZ die erste Internet-E-Mail empfangen. Weiterlesen

Das tapfere Schneiderlein …

85 Jahre – und kein bisschen leise. Das ist Wolf Schneider. Ich verehre den alten Herren, weil er der deutschen Sprache immer wieder eine Lanze bricht.

Jetzt haben ihn die UniSPIEGEL Redakteure Rafaela von Bredow und Jan Friedmann interviewt. Wer wissen will, warum Schneider künftigen Journalisten abrät, Germanistik, Soziologie, Psychologie oder Kommunikationswissenschaften zu studieren, der lese das Interview!

Auf diplomatischem Parkett würde Schneider keinen Ruhm erlangen, dafür schwingt er zu gern die Keule. Beispiel gefällig? Blogger genießen bei ihm wenig Ansehen:

“Sie schreiben aus einem narzisstischen Antrieb heraus, sind fasziniert davon, dass sie sich einfach nur einstöpseln müssen, ihrem Mitteilungsdrang ungebremst nachgeben dürfen und damit auf einem Weltmarkt vertreten sind, den man früher mit einem Brief nie hätte erreichen können. Leider endet das meist in unendlicher Geschwätzigkeit.”

Bei Twitter sieht Schneider den Vorzug, dass “die Beschränkung auf 140 Zeichen die Menge des Geschwätzes” mindere.

Schneiders Verallgemeinerungen polarisieren, sind sicher nicht immer fair. Dennoch hat er auch heute noch gute Vorschläge für alle, die schreiben:

“Erstens: Denk nach, bevor du zu schreiben beginnst. Zweitens: Sei nicht beeindruckt, dass du einen Satz geschrieben hast. Jetzt beginnt erst die Arbeit. Wer schnell zufrieden ist, reiht sich ein in die Schar all jener, die niemals gelesen werden.”

Hier werdet Ihnen geholft!

Peter Turi sei Dank findet sich täglich zweimal dies & das, Klatsch & Tratsch, aber vor allem auch wirklich Reizendes, nämlich zum Nachlesen!, im E-Mail-Postfach: Nochmals an dieser Stelle mein Tipp: Man abonniere sich den Newsletter von www.turi2.de!

Die Spätausgabe heute bietet folgendes Zitat:

“Wenn ihr damit anfangt, dass euch der Kaffee heute nicht so gut schmeckt wie gestern, so muss man davon ausgehen: Den zweiten Satz in diesem Text will keine Sau mehr lesen.”

Seine Heilige Wortgewalt, Sprachpapst Wolf Schneider, schreibt das Bloggern ins Stammbuch.  Seiner Meinung nach fehle neun von zehn Bloggern das Talent zum Schreiben.

Das dürfte übertrieben sein – zugunsten der Blogger. Getreu ihrem selbsthilfegruppen-therapeutischen Ansatz:

“Hast Du noch noch Blähungen oder bloggst Du sie schon!?”

Nein; nein! Ehe jetzt der geballte Groll der internet(t)en Autoren über mich kommt: Unter Bloggern sind ebenso viele (oder wenige) Sprachbegabte zu finden wie in der sogenannten ernsthaften Journaille.

Und deshalb dürften sich eben nicht nur Blogger am streitbaren, wortdrechselndem Schneiderlein und seinem Interview mit derstandard.at erfreuen!