Tagespresse Thüringen: Abwärtstrend hält an

Die Auflagenzahlen für das 2. Quartal wurden durch die IVW (Informationsgemein-schaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.) veröffentlicht: Demnach haben mein ehemaliges Blatt “Thüringer Allgemeine”, die  TLZ und die OTZ (die zur Zeitungsgruppe Thüringen gehören) derzeit 296.102 Abonnenten.

Das sind noch einmal 1,1 % weniger im Vergleich zum 1. Quartal 2010 und -3,59 % zum 2. Quartal 2009 (307.121 Abos; -11.019 Exemplare).

Das Minus beim Abo (20,60 Euro/monatlich bisher) macht allein monatlich rund 230.000 Euro Miese im Vergleich zum Vorjahreszeitraum …

Zum 1. Juli 2010 wurde zwar jetzt der Copy-Preis auf 21,80 Euro erhöht. Das spült trotz Abo-Rückgang zunächst monatlich rund 290.000 Euro mehr in die ZGT-Kassen. Aller Erfahrung nach folgt aber auf eine Preiserhöhung eine größere Abbestellungswelle. Mehr weiß man also erst in drei Monaten …

Auch in Gotha hält der Trend unvermindert an: TA und TLZ haben im 2. Quartal 2010 20.360 Abos und damit -3,73 % zum 2. Quartal 2009 (21.149). Das 2. Quartal 2008 bescherte der ZGT noch 22.007 Abos – im Vergleich zu den aktuellen Zahlen waren das 7,48 % mehr.

Allein rund 16.500 Euro Abo-Gebühren fehlen demnach aktuell – bezogen auf das 2. Quartal 2009. Hoch gerechnet aufs Jahr ist das ein Minus von etwa 195.000 Euro.

Der Vollständigkeit halber ein Blick über den Rennsteig und zur Südthüringer Presse (gibt “Freies Wort”, “Südthüringer Zeitung” und “Meininger Tageblatt” heraus). Auch hier scheint der Abwärtstrend unaufhaltsam. Die Abo-Zahlen im 2. Quartal 2000 lagen bei 131.066 und damit 23.8 % höher als aktuell (101,145).

Nachfolgend der Vergleich zum Vorjahreszeitraum:

Mehr Details zu Auflagen nach Orten etc. finden sich auf der IVW-Homepage (www.ivw.de)!

“Oscar”-Kolumne: Vielfalt adé

„Wenn ich zu wählen hätte zwischen einem Land mit einer Regierung, aber ohne Zeitung, und einem Land mit Zeitung, aber ohne Regierung, dann würde ich mich für das Land ohne Regierung entscheiden.“
Thomas Jefferson (1743 – 1826)

Ich teile Jeffersons Ansicht. Ich habe aber noch keinen Plan, was ich nach Ostern tun werde. Dann endet nicht nur die Fastenzeit, sondern auch die Ära der Presse- und Meinungsvielfalt in Gotha.

Ab 6. April ist’s für die Lokalredaktionen der TA und der TLZ vorbei mit der Phase der Freiwilligkeit, Artikel und Fotos auszutauschen, wie es seit 1. März ab und an schon der Fall war.

Das bemerkten nicht nur jene, bei denen – wie bei mir – beide Zeitungen allmorgendlich auf dem Frühstückstisch liegen. Vor Ort kennt man Namen und Gesichter jener, die das tägliche Lesefutter beschaffen. Da fällt „Fremdgehen“ auf.

Gotha ist kein Einzelfall. Auch anderenorts ist’s vorbei mit journalistischer Unabhängigkeit und konkurrierendem Buhlen um die Leser.

Ich bin sicher: Die Geschäftsführer der „Zeitungsgruppe Thüringen“ (ZGT), Schrotthofer und Jaschke, wie die Chefredakteure Raue und Hoffmeister, verkaufen uns diesen Einheitsbrei als neue Stufe des Qualitäts-Journalismus. Und damit die Leser für dumm.

Vielfalt soll bringen, dass nur noch ein Redakteur offizielle Termine absolviert. Der andere recherchiert exklusive Geschichten, die er nicht mit dem verschwägerten Konkurrenz teilen muss.

So weit die Theorie.

Aber dies Tausch-Geschäft ist nur eines von vielen, die mit großem Engagement im Auftrag der ZGT die Zentralredaktionen betreiben. Parallel entstehen in Erfurt und Weimar neue Strukturen. An „Newsdesks“ sollen alle Lokalausgaben produziert werden. Dafür braucht man Leute, die – auch wieder „freiwillig“ – aus den Lokalredaktionen kommen. Die „Ostthüringer Zeitung“ arbeitet so schon länger. Zehn Redakteure hatten OTZ und TLZ in Jena. Heute sind es noch sechs.

1 + 1 = 2. Das haben wir in der Schule gelernt. Aber aus Sicht der Pressefreiheit und Meinungsvielfalt geht diese Rechnung eben nicht auf.

Nüchtern betrachtet, wirft uns das in Thüringen um zwanzig Jahre zurück. Weiterlesen