O-Ton (4): Ein Muskikus schifft sich ein

O-Ton – Rainer Aschenbrenner im Gespräch mit Vinzenz Heinze / 29.01.2013
HeinzeDer Gothaer Musiker (geb. 1987) hatte zehn jahre Klavierunterricht und lernte auch Schlagzeug spielen, gewann etliche Wettbewerbe. Er arbeitete als Lehrer für Klavier, Keyboard und Schlagzeug, bis er sich ganz aufs Musik machen konzentrierte.
Er sammelte Banderfahrung u. a. mit den Rambling Stamps, Extase, JAM und den Gory Fingers.
Mit seiner aktuellen Band ANNRED (www.annred.de) heimst er viel Beifall ein, wird regelmäßig von großen Agenturen gebucht und cruist u. a. seit 2012 mit AIDA-Kreuzfahrteischiffen über alle sieben Weltmeere …
Endrik SCHUBERT gab in seinem Artikel über Vinzenz „Einblicke“…

O-Ton – Rainer Aschenbrenner im Gespräch mit dem “Gotha tadelt“ Frosch / 20.12.2012
FroschWas vor den Kommunalwahlen 2012 als Gag begann, entwickelte sich zu einem Projekt auf Facebook (https://www.facebook.com/gotha.tadelt), dass recht umstrittenen war: Deshalb, weil der Mann hinter der Maske meist kein Blatt vors Froschmaul nahm … Zudem machte er mit originellen Wahlplakaten und Cover-Versionen von solchen Videos sowie provokativen Preisen wie die „Schwarze Kröte 2012“ von sich reden.
Deshalb machte ich als „Storch Rainar“ kurz vor Weihnachten eine tierisch gute Sendung unter dem Slogan „Würg den Lurch!“.

O-Ton – Rainer Aschenbrenner im Gespräch mit Dirk Kollmar / 19.11.2012
KolmarIn Gotha etwas über Dirk Kollmar zu erzählen, wäre wie Bier in die Leinastraße zu bringen. 1990 kaufte die Familienbrauerei aus Altöttingen von der Treuhand die Brauerei Gotha und führte sie in die Bundesliga ihrer Branche. OeTTINGER ist das meistverkaufte Bier in Deutschland – 7 Mio. Hektoliter stellt dier Gruppe her. Seit Jahren engagiert man sich auch in Osteruopa.
Dirk Kollmar ist zudem begeisterter Basketballer. BIG Gotha als Verein betreut u. a. mehr als 200 Kinder und Jugendliche. 15 Teams spielen aktiv. Die Vorzeige-Mannschaft OeTTINGER Rockets stieg 2012 in die Basketball-Bundesliga auf.
Auch Kollmar erhielt 2011 die Myconius-Medaille der Stadt Gotha. Die 1.500 Euro Preisgeld spendete er dem Basketball-Nachwuchs. Zudem bekam er im selben Jahr für sein – genrell finanziell erhebliches – Engagement im Breiten- wie Spitzensport das Bundesverdienstkreuz.
Mehr hier:
www.oettinger-bier.de
www.big-gotha.de

O-Ton – Rainer Aschenbrenner im Gespräch mit Werner Kukulenz / 18.10.2012
KukiZur Premiere des „O-Tons“ hatte ich Gothas ersten frei gewählen Bürgermister zu Gast. Werner Kukulenz kenne ich seit meinem ersten Tag als Journalist in Gotha, seit dem 15. Oktober 1990.
Auch deshalb schwelgten wir in Erinnerungen: An die Räuberpistole mit Hans Weselowski, über die ich schon in meiner Kolumne im „Oscar am Freitag“ (September 2012) ausführlich berichtete. Dort wie beim „O-Ton“ spielte dann auch Weselowskis Vorbild, Harry Domela, eine entscheidende Rolle.
Für eine spätere Sendung haben wir zwei noch genug Stoff aus den wilden 1990er-Jahren – da gab es z. B. eine Hilfsaktion für Albanien, deftige Debatten mit dem „dicken Dieter“ Reinholz, Gothas erstem Landrat.
Und eigentlich müsste dann auch Michael Brendel dabei sein. Er wurde unter Kukulenz Ordnungsamtschef und es seither ist. Brendel sollte dann auspacken, wie das damals so war – mit Gothas Rotlichtszene.

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Oscar-Kolumne: Teile und herrsche

Ein Gespenst geht um in Thüringen – das Gespenst der Gebietsreform. Wieder mal. Vor der ersten Auflage 1994 verbündeten sich allerlei Mächte der frisch erlangten kommunalen Selbstverwaltung gegen dies Gespenst. 22 Jahre später ist’s unheimlich still.

Wohl, weil den Thüringern ihre Städte und Dörfer näher sind als die Kreise. Nachwehen völlig verkorkster Landespolitik: Thüringen galt zu Beginn der 1990er-Jahre als „Republik der Landräte“. Der Gothaer Dr. Dieter Reinholz (CDU) war deren Anführer. Ein Macher. Der heimliche Herrscher im Freistaat, mit leicht absolutistischen Zügen. Bis Bernhard Vogel (CDU) in Erfurt einflog. Mit ihm schoß ab 1992 lustig-listig die Landesbürokratie ins Kraut.

Die halste großzügig Aufgabe um Aufgabe den Kreisen auf. Für lau.

Mit Folgen. Die konnten kaum noch gestalten, sondern mussten verwalten. Den stetig wachsenden Mangel, denn auch unter Althaus und Lieberknecht (beide CDU) dauerten diese unbezahlten Landkreis-ABM an.

Dabei barmt schon Goethes Gretchen im „Faust“: „Nach Golde drängt, am Golde hängt. Doch alles. Ach wir Armen!“

Das Land alimentiert aber nur Städte und Gemeinden – via kommunalen Finanzausgleich und adäquat der Einwohnerzahl.

Das macht Bürgermeister kreativ. So wie 2005. Da ging die Kunde eines flotten (Städte-)Dreier die Runde. Gotha, Ohrdruf und Waltershausen sollten sich vermählen. Zumindest hatten dies die Stadtoberhäupter Volker Doenitz (SPD), Klaus Scheikel und Michael Brychcy (beide CDU) vor.

Auch damals dräute die Quadratur der Kreise und Gemeinden, waren Fusionen wie jene von Leinefelde und Worbis, 2004 vollzogen, en vogue.

„Vorm Hintergrund begrenzter Finanzen müssen sich die Kommunen für die Zukunft neu aufstellen“, nannte vor elf Jahren Gothas OB Doenitz im Radio-Interview das Motiv für die „MegaCity“. Mit mehr als 70.000 Einwohnern wäre GoWaDruf viergrößte Stadt Thüringens geworden. Das Bürger-Plus hätte zu damaligen Konditionen jährlich gut 4 Mio. Euro mehr in die Kasse der sta(d)ttlichen Struktur gespült.

Offiziell scheiterte die Dreieinigkeit, weil es keine gemeinsamen Gemeindegrenzen gab.

Nun versucht sich Rot-rot-grün an der Gebietsreform. Und wird scheitern. Weil man wieder den zweiten vorm ersten Schritt macht – die die Reform der Verwaltungsstruktur. Eine Diät auf Landesebene. Da wäre weniger wirklich mehr. Das würde Verantwortung dort hinbringen, wo wir Bürger sind. Und das Geld dazu. Dann auch für Landkreise, die bisher von ihren Gemeinden leben, von einer Umlage.

Schritt 1 wird aber keck übersprungen. So soll eben mehr Effizienz bringen, einfach größere Kreise zu ziehen. Das Ganze passiert zudem im Schweinsgalopp.

Divide et impera – teile und herrsche. Was im alten Rom getan, was Niccolò Machiavelli 1532 den Medici, seinen Herrschern, ins (Stamm-)Buch „Der Fürst“ schrieb, feiert also anno 2016 in Thüringen fröhlich’ Urständ.

Divide et impera. Teile – in von Landtagsmehrheiten geformte, macht- und kraftlose Kreise, die nicht einmal was dagegen tun können.

Und herrsche – übers kommunale Volk. Mit ein paar mehr als den sonst üblichen 30 Silberlingen.

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 24. Juni 2016)

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„Ich bin gerne Gastgeberin“

Gotha. Die Ohrdrufer Straße. Ausfallstraße und Einfallstor. Seit 1. Juni 1996 auch Adresse eines Hotels mit animalischer Nachbarschaft. Die ist bald Namenszusatz: „Quality Hotel am Tierpark“. Das feiert jetzt 20. Geburtstag.

Ein Maitag. Die Sonne lunzt ums Eck. Spiegelt sich auf blitzeblank polierten Gläsern; darunter jene für Rotwein. Mehr als 20 sind es. Ganz sicher.

Logisch, will man meinen. Schließlich gehört ein Restaurant zum Haus. Jahre zuvor war aber der Bestand jener 20 Gläser ein Thema, erinnert sich Hoteleignerin Hannelore Neher: Damit die erste Familienfeier mit 35 Leuten stattfinden konnte, investierte sie damals unverzüglich. In Rotweingläser.

1998. Neher, geboren in Berka (Werra), hatte gerade das Leben aus dem Koffer aufgegeben. War zuvor zwischen Berlin und dem Tegernsee unterwegs. Hatte als Regionaldirektorin einer Hotelkette stets vier Wochen das Kommando in neuen Häusern, um sie „ins System zu integrieren“. Wie in Gotha, wie im Ex-Treff-Hotel.

Neher kam. Sah. Und blieb. War der Kurzzeitkarrieren als „Eingliederungshilfe“ überdrüssig. Erkannte das Potenzial des Hauses. Wollte sesshafter werden. Lebte damals in Erfurt. Schlug also im Juni 1998 Wurzeln, tauschte das Monats-Management gegen die Vollzeit-Verantwortung als Direktorin.

Der Start war beschwerlich. Über elf Jahre und sieben Pächter blieb das Haus in Zwangsverwaltung. Dann hatte Hannelore die vielen, stetig wechselnden Dienstherren und die Faxen dicke: Pachtete 2005 das Haus am „See“. Wagte 2009 den ganz großen Wurf. Kaufte das Hotel.

Mut hat sie. Und viel mit ihren „QualiTätern“ geschafft. Überhaupt – „ihr“ Team. Da lässt sie nix drauf kommen. „Dieser tollen Truppe verdanken wir den Erfolg und unseren guten Ruf.“ Nehers Anspruch, ein „Zuhause auf Zeit“ zu sein, steht und fällt mit Service, Freundlichkeit und Kompetenz jedes Einzelnen.

So viel Engagement findet Anerkennung. Mit dem grünen „Q“ bekam das „Quality“ als erstes Haus im Landkreis das „Thüringer Quali­tätssiegel“. 2005 folgte die Qualitätseinstufung als „Drei-Sterne-Superior“-Hotel, die 2011 bestätigt wurde. Die Choice-Gruppe, zu der das Haus gehört, zeichnete Neher 2001 als „Managerin des Jahres“ aus. 2011 folgte die Ehre, „Hotel des Jahres“ zu sein.

IMG_3352 Gut eine Million Euro sind nun investiert. Fast alles ist neu: Mobiliar, Teppiche, Gardinen, Innendeko, Küche. Auch die Konferenz- und Kommunikationstechnik. „Von den 25.000 Gästen im Jahr sind die meisten Geschäftskunden, die Wert auf solche Dinge legen.“

Aufschwung ist also Neher. Davon profitieren Firmen von hier: „Für mich keine Frage: Geld, das wir hier verdienen, kommt auch wieder der Region zugute.“

Der ist Hannelore Neher weit übers Gewerbe mit der Herberge hinaus verbunden, die in den letzten zwei Jahrzehnten über 360.000 Gäste zählte.

Sie hat ein Faible für Sportler. Sonst eher zurückhaltend, wagt sie dafür Spektakuläres. Wie 2005 den „Kellnerlauf“. Der adaptierte das Pariser Original auf den Champs Elysées. Das Gothaer Pendant war witziges Warm up für den „Citylauf“. Doch der findet traditionell am Muttertag statt – einer der Umsatzbringer der „QualiTäter“. Also flitzten nach vier Tablettwettbewerben Nehers Truppen wieder übers heimische Parkett.

Schließlich brauchte es langen Atem, das Haus den Gothaern schmackhaft zu machen – mit Oldie-Abenden, der Hauskirmes, Partys für Firmen, Familien…

Nehers Faible blieb. 2013 startete daher der „Christmas fun“.Wie einst beim „Spiel ohne Grenzen“ sorgen Mannschaftswettbewerbe für Unterhaltung. So auch kurz vor Weihnachten 2015. Sechs Leute messen sich in fünf witzigen Wettbewerben. Wie immer haben die Teilnehmer aus den vier großen Gothaer Ballsportvereinen Wacker, BiG, VC Gotha und den Hornets ihren Spaß an der dritten Auflage dieses Advents-Events. Schließlich erhält jeder (s)einen Anteil an den Siegprämien: 5.000 Euro stiftete das „Quality“, weitere 1.250 Euro Nehers Freund und guter Kunde, Wolfgang Struensee (Crestcom Germany) . Diese Art, die Vereinskasse aufzubessern, gibt es kein zweites Mal in Gotha. Auch deshalb ist sie erste Sahne.

Übrigens waren eine laue Sommernacht an der Seenlandschaft vorm „Quality“, eine Runde Freunde und ein paar Cocktails die Zutaten für diese Idee. Möge das „QualiTäter“-Team weiter so kreativ bleiben.

Derzeit sind es 29 Leute, davon sechs Gastgeber in spe. Jedes Jahr bekommen drei junge Leute ihre Chance.

Die Liebe zum Beruf kann vor allem Hannelore Neher näher bringen, ganz hervorragend sogar. Denn von Herzen und ganz überzeugend bekennt sie: „Ich bin gerne Gastgeberin.“

(veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 27. Mai 2016)

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Oscar-Kolumne: Gemein(d)e Verschlusssache

Ich habe einen neuen Helden. Tilo Jung. Jahrgang 1985, gebürtig in Malchin, Journalist. Seit 2013 sich unbedarft gebender Reporter mit „Jung & Naiv – Politik für Desinteressierte“.

Jung ist der Bursche. Naiv nicht. Zu erleben dreimal die Woche. Wenn er die Regierungspressekonferenz aufmischt. Montags, mittwochs und freitags laden dazu jene Journalisten ein, die für deutsche Medien Bundespolitisches berichten. Rund 900 Parlamentskorrespondenten sind das, die einem Verein angehören. Etwas irritierend heißt der „Bundespressekonferenz“ (BPK). Gast der BPK sind an jenen drei Tagen jedenfalls die Pressesprecher der Bundesregierung und der Ministerien. Die müssen nach kurzen Statements den Journalisten Rede und Antwort stehen. Müssen – denn die BPK-Mitglieder haben Fragerecht.

Wie Tilo Jung, der seit 2015 regen Gebrauch davon macht. Sein Credo: „…zu informieren, wie die Bundesregierung informiert“. Die Mitschnitte davon sind Realsatire. „Die Anstalt“ oder die „heute-Show“ muten dagegen an wie ein kuscheliger Stuhlkreis.

Jung will der Politikverdrossenheit Paroli bieten. Glaubt: „Die Medien sind politikverdrossen, weil sie kein Interesse mehr haben, Sachverhalte erklärend darzustellen.“

Mir ist das zu pauschal. Es gibt nicht „die Medien“.

Tendenziell gebe ich ihm aber Recht. Vor allem vor Ort: Hintergründiges aus Kreistag oder den Stadt- und Gemeinderatssitzungen gibt es kaum zu lesen.

Gut, ich kann ja hingehen. Die Sitzungen sind öffentlich. Kann mich vorher informieren, worum es geht. Steht alles online. Muss man nur die Ratsinformationsysteme für Gothas Stadtrat und den Kreistag finden.

Was’n aber, wenn mein Zeitplan und der der Kommunalparlamente nicht synchron sind? Dann habe ich die (Lese-)Brille auf. Hoffe auf die lokalen Platzhirsche der schreibenden Zunft. Immer noch. Auch wenn oft ein Hahn anderen Themen den Rang abläuft. Alternativen gibt’s keine.

Oder doch?

Sitzungen des Bundestages werden live übertragen, stehen dann in der Mediathek. Auch der Thüringer Landtag sendet live.

Lokal hat’s keinen Kanal. Ausgerechnet hier. Hier, wo nun wirklich Politik gemacht wird, die JEDEN direkt betrifft. Völlig unverständlich.

Solch „Gotha TV“ würde für Transparenz sorgen. Auch, wenn nicht Hitchcock Regie führt. Das sahen auf Nachfrage auch Fraktionschefs in Stadtrat und Kreistag so.

Spielverderber in Sachen „Parlamentsfernsehen“ ist ausgerechnet Thüringens oberster Datenschützer, Dr. Lutz Hasse. Seine Position: Solch Übertragung mache „Stellen außerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes“ personenbezogene Daten zugänglich und sei deshalb nicht zulässig. Zulässig hingegen wäre es, berichteten Medienunternehmen. Das hat z. B. der Stadtrat Erfurt in seiner Geschäftsordnung so geregelt. Schraps hat den Hut verloren.

Was ich davon halte?
„Ein Teil dieser Antwort würde die Bevölkerung verunsichern.“

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 27. Mai 2016)


P. S. vom 27. Mai 2016:
Auch der am 24. Mai veröffentlichte 11. Tätigkeitsbericht (S. 155 ff.) des Datenschutzbeauftragten gibt keine andere als die bekannte Auskunft.
Bemerkenswert aber folgende Passage: „Da der TLfDI Verständnis für das Ansinnen der Kommunen hat, die Arbeit in den Gemeinderatssitzungen noch transparenter zu gestalten, hatte er bereits im Jahr 2013 einen Gesetzentwurf zur Änderung der ThürKO zwecks Verbesserung der Transparenz von Gemeinderatssitzungen ausgearbeitet. Weder in der abgelaufenen 5. Wahlperiode noch in der im Jahr 2014 begonnenen 6. Wahlperiode hat der Thüringer Landtag die Vorschläge des TLfDI zur datenschutzkonformen Live-Übertragung von Stadtratssitzungen im Internet aufgegriffen und die ThürKO entsprechend angepasst. Der TLfDI wird daher zu gegebener Zeit erneut seine Vorschläge zu dieser wichtigen Thematik an die Fraktionen des Landtags übermitteln.“

 

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Beauty und Beast(chen)

Gotha. Unweit des Bahnhofs, der „Alte Schlachthof“. Einst wurden tatsächlich dort Rindviecher und Schweine verwurstet. Das Schlachten findet mit der Wende sein Ende. Seither geht man hier eher unblutigem Gewerbe nach.

Länger schon hat dort der „Londoner“ sein Kneipen-Asyl. Der Kult-Pub bietet – wie einst am angestammten Ort – der Kultur eine Bühne und auf jener seit Juni 2015 regelmäßig Gesprächsrunden. Veranstaltet vom „Oscar am Freitag“. Dann ist Mann am Mikrofon „Oscar“-Erfinder und Herausgeber Maik Schulz. Seine Gäste – Gothaer Promis und Originale, auch Gäste von weiter her. Eine unterhaltsame, eher undramatische Sache.

Der „Talk im Schlachthof“ im April aber ist anders. Hat vorher schon seine erste heiße Phase: Alles nur, weil Schulz sich eine 30-jährige Politikerin aus Jena einlädt. Die sitzt seit 2014 im Thüringer Landtag, heißt Wiebke Muhsal und gehört der AfD an. Ist Fraktionsvize, familien- und bildungspolitische Sprecherin.

Der Ankündigung folgt zunächst eine Kampagne in den sozialen Netzwerken. Barrikaden werden errichtet, verbale. Zum Boykott aufgerufen: „Kauft nicht bei…“ Schulz wird gar als „Faschist“ beschimpft. Die Mobilisierung für den Häuserkampf erfolgt: „FCK ,The Londoner’!“ Zwei Nächte vorm Showdown werden mit pubertärer Pose und politischem Protestpotenzial zwar nicht Tisch und Bänke, dafür aber Häuserwände und Zufahrtswege ­beschmiert. Eskalation droht.

Und deshalb stehen vorm Warm up für den Wortwechsel zwei „Sixpacks“ aufm Hof. Weiter weg wartet eine Hundertschaft Ordnungshüter in Hab-acht-Stellung. Drinnen und unübersehbar die Drei von der Anti-Zankstelle, dem Security-Team.

Und alles nur wegen einer zierlichen Blondine.

Muhsal kommt nicht allein. Im Begleiterdutzend u. a. auch die 22-jährige Jana Schneider, die in Jena der „Jungen Alternativen“ vorsteht.

Im Saal etwas mehr als 100 Gäste. Verschiedenster Lager, die sich sofort fraktionieren. Man möchte schließlich nicht in falsche Nähe geraten – oder gebracht werden. Vereinzelt Unentschlossene, die den Tresen umlagern. Muhsals Entourage platziert sich in vorderster Front zur Bühne. Es wirkt nicht nur wie ein Schutzwall. Es ist auch einer, wie sich später zeigt.

Mit Verspätung startet Maik Schulz. Ist hörbar bemüht, für Entspanung zu sorgen. Fragt Persönliches. Lässt ausreden. Begnügt sich mit den Antworten. Hakt selten nach. Ist dabei ungewöhnlich zurückhaltend.

Üblicherweise ist nicht einmal das Florett seine Waffe. Schulz schwingt sonst den Säbel, gern auch die Axt. Offensichtlich aber ist: Das Vorgeplänkel hat ihm zugesetzt.

Auf der Bühne und „always online“ – Schulz’ Sekundant. „Oscar“-Redakteur Max Mess soll in strittigen Fragen für Klarheit sorgen. Muss er aber nicht – wegen Schulz’ sonderbarem Sanftmut.

So bleibt u. a. auch Muhsals These unwidersprochen, der deutsche Steuerzahler habe schon wegen des ersten Hilfspakets für Griechenland 79 Mrd. Euro löhnen müssen. Oft behauptet, bleibt dies trotzdem falsch. 2010 sollte Athen 110 Mrd. Euro Kredit bekommen: 80 Mrd. Euro von EU-Staaten, 30 Mrd. Euro vom IWF, dem Internationalen Währungsfond. Der deutsche Anteil betrug 15,2 Mrd. Euro. Zu tilgen ist dieser Kredit ab 2020 binnen 30 Jahren. Bis Ende 2011 bekam Deutschland bereits rund 380 Mio. Euro Zinsen.

Dann ist Pause. Und nach der Pause vor der Pause. Bis Schulz dem Publikum das Wort erteilt. Dafür schwärmt Mess mit dem Mikro aus.

Der fragt gleich selbst. Ob Muhsal dementieren könne, dass die AfD eine Nähe zu Rechtsradikalen pflege. Sie seziert zunächst Mess’ Frage. Er solle den Beleg, die Quelle für diese Behauptung nennen. Sie könne schließlich nichts dementieren, was sie nicht selbst gesagt habe. Man wortplänkelt hin und her.

Dabei ist in der Sache Muhsal bar jeden Verdachts – nicht erst nach der 1.-Mai-Demo der Thügida in Jena ihre klare Distanz zu solchen Kreisen nachlesbar. Dass sie dennoch vage bleibt, mutet wie Strategie an, mag an Muhsals Loyalität liegen: An dieser Frage reibt sich die AfD derzeit, setzt Thüringens Vormann Höcke deutlich andere Prämissen als die Jenaerin.

Nicht ungeschickt, nicht einmal unglaubwürdig ihre von Anfang an praktizierte Strategie, nur auf Fragen konkret zu antworten, die mit Familie oder Bildung zu tun haben – ihrer politischen Spielwiese.

Sonst bleibt sie eben unverbindlich, vage: Die AfD plädiere für Wiedereinführung der Wehrpflicht? Man müsse die Nation verteidigen können. EU oder nicht EU? Eine andere EU eben, eine mit mehr nationalem Einfluss. In Sachen Adoptionsrecht Gleichstellung homosexueller mit heterosexuellen Paare? Ihr Leitbild sei die klassische Familie, die es zu schützen gelte. Klimawandel? Es gebe genügend Fachleute, die den infrage stellen.

Diese, ihre hartleibige ArguMentalität hält sie den ganzen Abend durch. Sie bleibt kühl, zeigt kein Gefühl: Gut, dass das Bundesverfassungsgericht feststellte, das „Winkeladvokat“ nicht zwangsläufig eine Beleidigung sein muss – da kommt ganz offensichtlich bei ihr die Juristin durch.

Nur einmal, zum Schluss nach ihren Wünschen befragt, da wird sie emotional: „… dass möglichst bald die AfD Jenas Oberbürgemeister stellt.“ Und da ja ihre Partei den „Genderwahn“ nicht mitmacht, klingt das fast schon wie eine Kandidatur.

Dann ist es vorbei. Schnell verläuft sich das Publikum. Etliche wirken ratlos. Irritiert. Grund also, Bert Brecht zu zitieren: „Wir stehen selbst enttäuscht und seh’n betroffen – den Vorhang zu und alle Fragen offen“?

Ganz und gar nicht. Für jene zumindest, die noch selbst denken wollen. Und können. Denn auch die Runde in Gotha zeigt: Die AfD will Massen erreichen. Also formuliert sie massenkompatibel. Das kommt an. Weil wir in einer komplexen Welt leben und viele daher einfache Antworten suchen. Dass wir tatsächliche oder vermeintliche Bedrohungen und Unsicherheiten aus dem letzten Winkel dieser Welt berichtet bekommen, lässt bei manchen die Sehnsucht nach den guten, alten Zeiten wachsen. Und wir wollen Gewohnheiten bewahren und pflegen. Auch unsere Vorurteile.

Man kann das Ganze populistisch nennen. Allerdings muss sich niemand antrengen, um aktuelle AfD-Argumente aus Mund oder Feder von CDU- oder CSU-Politikern zu finden.

Hörbar ändert sich zudem nach den AfD-Wahlerfolgen in Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg der Ton: Der grüne Ministerpräsident Kretschmann in Stuttgart, sein Magdeburger CDU-Kollege Haseloff, Hamburgs Regierender Bürgermeister Scholz (SPD) oder Sahra Wagenknecht (LINKE) warnen plötzlich – nahezu wortgleich! – vor einer „Dämonisierung“ der AfD-Wähler. Selbst Bundeskanzlerin Merkel habe laut FAZ „eine neue Strategie im Umgang mit der AfD“ angeregt. Es sei nicht sinnvoll, auf deren Wähler „immer nur einzuprügeln“. Das schaffe nur Solidarisierungseffekte.

In der Tat. Politische Auseinandersetzungen sind ausschließlich mit politischen Mitteln zu führen. Vor allem Journalisten, die ihren Beruf und dessen Ethos ernst nehmen, sollten es da „Mr. Tagesschau“, Hanns Joachim Friedrichs, gleich tun: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“ Nachzulesen im „Spiegel“ Nr. 13/1995 vom 27. März 1995.

Genau deshalb war und ist notwendig, dass es den Muhsal-„Talk im Schlachthof“ gab.

Weil er einem Urverständnis von Demokratie entspricht: „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

(veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Jena am 20. Mai und Ausgabe Gotha am 25. März 2016)

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Oscar-Kolumne: Live aus dem Schlachthof

Mühsal mit Muhsal. Die hatte „Oscar“-Oberindianer Maik Schulz. Aber nicht Wiebke Muhsal bereitete Mühsal. Dafür sorgten andere, bevor am 28. April die AfD-Politikerin Gast beim Talk von „Oscar am Freitag“ im „Londoner“ war.

Schulz ist ein Dickschädel. Er wollte Björn „Bernd“ Höcke in den „Schlachthof“ laden – nach dem „Rumble in the (Social-Media-)Jungle“ und der Gothaer November-Revolution wegen des abgesagten AfD-Auftritts im „Lindenhof“. Sie erinnern sich?

Doch Höcke, der AfD-Vormann, entgleiste in Erfurt vorm Dom. So sehr, dass selbst das anerkannt dicke Fell vom „Oscar“-Schulz perforierte. Also setzte der Plan B um. Und deshalb bekam Wiebke Muhsal, die AfD-Fraktionsvize und familien- und bildungspolitische Sprecherin, eine Einladung.

Das annoncierte Schulzens Maik im Januar-„Oscar“ – ohne dass es jemanden kratzte. Als er aber im vorigen Heft kund tat, dass er es wirklich ernst meine, den dürren Worten tatsächlich Termin-Taten folgen, löste das die März-Unruhen aus: Barrikaden wurden errichtet, verbale. Zum Boykott aufgerufen: „Kauft nicht bei…“ Die Mobilisierung für den Häuserkampf erfolgte: „FCK ,The Londoner’!“ Schulz wurde gar als „Faschist“ beschimpft.

Den demagogischen Donnerhall jener, die sich dabei auch noch als Bewahrer der Demokratie aufspielten, kommentierte Martin Debes, Chefreporter der „Thüringer Allgemeine“, so: „ Wer der AfD Argumente liefern will, der muss sich nur so benehmen wie diese Leute, die in Gotha Stimmung gegen Maik Schulz machen. Sie sind borniert, dumm und am Ende nicht weniger gefährlich als die, die sie angeblich bekämpfen wollen.“

Politische Auseinandersetzungen sind mit politischen Mitteln zu führen. Das gilt allgemein. Für Journalisten, die ihren Beruf und dessen Ethos ernst nehmen, umso mehr. Ich halte es dabei mit Hanns Joachim Friedrichs: „Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.“ Nachzulesen im „Spiegel“ Nr. 13/1995 vom 27. März 1995.

Genau deshalb war und ist notwendig, was „Live im Schlachthof“ passierte. Weil es Maiks und meinem Urverständnis von Demokratie entspricht: „Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

Das stammt übrigens nicht von Voltaire. Obwohl es oft behauptet wird. Das entsprang der Feder von Evelyn Beatrice Hall (1868 – 1956). Die englische Schriftstellerin schrieb unter dem Pseudonym S. G. Tallentyre u. a. „The Friends of Voltaire“ (1906), in dem das oft Zitierte nachzulesen ist: „I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it. – Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen.“

Ein echter Voltaire ist hingegen: „Es ist klar, dass jeder, der einen Menschen, seinen Bruder, wegen dessen abweichender Meinung verfolgt, eine erbärmliche Kreatur ist.“

Genau so ist es.

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 29. April 2016)

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Oscar-Kolumne: Das unentdeckte Land

„Nur Nixon konnte nach China gehen.“
Ich bin Trekkie. Ein Fan von Captain Kirk, vom grünblütigen Spitzohr Spock und von all den anderen illustren Typen aus dem Star-Trek-Universum. Also ist dies für mich ein vulkanisches Sprichwort. Und es wird erst in 275 Jahren zitiert…

„Nur Nixon konnte nach China gehen.“
Ich bekenne mich aber ebenso dazu, Wortdrechsler, Mundwerker und Schreibtischler zu sein. Dieser Spezies eigen ist sauberes Recherchieren. Deshalb weiß ich nicht erst seit dem 25 Jahre alten Star-Trek-Kinofilm „Das unentdeckte Land“, dass dieses geflügelte Wort auf Richard Nixons Besuch in China 1972 anspielt. Nach den Verhandlungen des US-amerikanischen Präsidenten mit Mao Zedong verbesserten sich die diplomatischen Beziehungen mit China spürbar. Niemand verdächtigte den bekennenden Antikommunisten Nixon dabei falscher Sympathien.

„Nur Obama konnte nach Kuba gehen.“ So wird es wohl deshalb demnächst heißen.
Und es gibt eine Gothaer Version: „Nur Eberle und Kreuch konnten nach Moskau gehen.“

Keine Sorge: ICH leide nicht an Größenwahn oder stelle den Direktor der Stiftung Schloss Friedenstein und Gothas OB auf eine Stufe mit den präsidialen Bewohnern des „Weißen Hauses“. Wobei: Was das Selbstbewusstsein betrifft, kann Gothas doppeltes Flottchen locker mithalten…

Sie kamen ja auch nicht mit leeren Händen in Putins Reich. Hatten 25 kostbare Cranachs im Gepäck – noch bis 15. Mai im Puschkin-Museum zu Moskau zu sehen.

Diese Schau ist dreifach spektakulär: Es ist die erste Ausstellung Lucas Cranachs Werke in der russischen Geschichte, die erste Gemäldeausstellung im deutsch-russischen Kulturdialog und die erste Wiedervereinigung einer kriegsbedingt getrennten Sammlung. Zur Erinnerung: Bis 1946 umfasste der Gothaer Bestand 40 Gemälde. Dann wurden sie als Reparationsleistung nach Moskau abtransportiert, 1958 kehrten 21 von ihnen heim.

Jetzt konnten die Gothaer jene „Beutekunst“ erstmals in Augenschein nehmen. Stiftungsdirektor Professor Martin Eberle; der Kurator der Ausstellung Dr. Timo Trümper; auch der „Hans-Dampf-auf-allen-Bühnen“ Knut Kreuch – sie alle kannten diese Bilder nur von Schwarz-Weiß-Fotografien, mehr als 70 Jahre alt.

Die Gothaer und ihre russischen Partner brauchten Jahre, dieses Projekt vorzubereiten. Weitere sollen folgen: 2017 gibt es eine hochkarätige Ausstellung französischer Meister aus dem Puschkin-Museum in Gotha. 2019 könnten niederländische und flämische Meister aus Gothas Sammlungen in Moskau gezeigt werden.

1963 prägte der SPD-Mann und Außenpolitiker Egon Bahr in einer Rede in Tutzing den Begriff vom „Wandel durch Annäherung“. Die Reise der Cranachs nach Russland ist ein exemplarischer Schritt in die richtige Richtung. Ehre gebührt dafür heute schon allen Akteuren; den deutschen wie den russischen.

Ob es ein historisches Ereignis für einen „Wandel durch Handeln“ in dieser Eiszeit zwischen der EU und Russlands war, lehrt uns die Zukunft.

Eben jenes „unentdeckte Land“.

Foto: Cranach im Blickpunkt, © Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau

(Kolumne, veröffentlicht im “Oscar am Freitag”, Ausgabe Gotha, am 25. März 2016)

 

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